Neueröffnung der Sammlung Posselt

                    Sonntag, 20. Mai 2007

Am Internationalen Museumstag 2007 wurde die Sammlung Posselt im Kurpfälzischen Museum neu eröffnet.

Der Internationale Museumstag stand in diesem Jahr unter dem Motto: „Museen und universelles Erbe“. Damit bot er den idealen Rahmen für die Neupräsentation einer der wichtigsten Sammlungsbestände des Kurpfälzischen Museums. Die Sammlung Posselt gehört zum Grundstock des Kurpfälzischen Museums. Vor exakt 100 Jahren, 1907, hatte die Stadt die 148 Gemälde umfassende Sammlung des Heidelberger Industriellen Ernst Carl Louis Posselt (1838 – 1907) von seinen Kindern erhalten.

Sie wird nun, neu ausgeleuchtet und farblich neu gestaltet, in pointierter und konsequent dichter Galeriehängung der Zeit präsentiert, zum Teil mit aufwändiger Rahmung. Niederländische Gemälde aus dem sog. Goldenen Zeitalter – Historien- und Genrebilder, Landschaften, Seestücke und Stillleben des 17. Jahrhunderts – bilden ihren Schwerpunkt.

Zur Geschichte der Sammlung Posselt:
Ernst Louis Carl Posselt entstammte einer alten Heidelberger Familie: Sein Großvater war Apotheker der Schwanenapotheke und Abgeordneter im Badischen Landtag. Sein Onkel, Professor der Pharmazie, wurde als Heidelberger Stadtrat in der Baukommission tätig und stiftete den Aussichtsturm „Posseltslust“ beim Kohlhof im Königsstuhlgebiet. Sein Vater gründete als Universitätsprofessor für Kinderheilkunde 1864 die erste private Kinderklinik in Heidelberg.

Ernst Carl Louis Posselts Interessen galten dagegen früh wirtschaftlichen Belangen und so ließ er sich in Brüssel zum Kaufmann ausbilden. Möglicherweise wurde in Belgien sein Interesse an der niederländischen Kunst des 17./18. Jahrhunderts geweckt, die vorrangig in seiner Gemäldesammlung vertreten ist. Bereits als 20jähriger gründete er in Bradford ein Exportgeschäft und nahm die englische Staatsbürgerschaft an. 1883 überließ er die Firma seinen Mitarbeitern und siedelte nach Russland über. Die von ihm in Zgierz und Riga gegründeten Textilunternehmungen wurden nach seinem Tod von seinen Söhnen weiterbetrieben. Die letzten Lebensjahre verbrachte Ernst Carl Louis Posselt in Berlin. Hier umgab er sich in seinem gastfreundlichen Haus mit der im Laufe der Jahre angewachsenen repräsentativen Kunstsammlung von Gemälden alter und neuer Meister, Violinen und kunstgewerblichen Gegenständen aus Porzellan und Glas.

Die aus insgesamt 148 Gemälden bestehende Stiftung umfasst aus der Zeit vom 16-18. Jahrhunderts einige z.T. großformatige Gemälde aus
Italien: Historienbilder von Francesco Trevisani,  und Pietro della Vecchia, Genrebilder des Genuesen Magnasco und Veduten aus dem Umkreis der Venezianer Canaletto und Guardi Frankreich: eine Flusslandschaft des für seine Hafenansichten berühmten Claude Joseph Vernet (1714 - 1789 ). Spanien: eine biblische Szene von Giuseppe de Ribera. Deutschland: der Frankfurter Maler Schütz und Trautmann, des Dresdeners Thiele, des Augsburgers Rudendas und des Österreichers „Kremser-Schmidt“
Vor allem aber kleinformatige Kabinettbilder aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts
 
Das wegen seiner beispiellosen wirtschaftlichen und künstlerischen Blüte sogenannte „Goldene Jahrhundert“ Hollands hatte einen expandierenden Kunstmarkt entstehen lassen und unter dem neuen Konkurrenzdruck eine Spezialisierung der Künstler auf bestimmte Sujets, die sich in regionalen Kunstzentren mit jeweils typischer Malweise ausbildeten. Am regen Kunsthandel beteiligten sich auch die Maler selbst. Ihre leicht transportierbaren Tafeln überwiegend kleineren Formates wurden auf Märkten angeboten und als Kapitalanlage von Bauern wie Bürgern gekauft, die sie in ihren Wohnstuben in dekorativen Bilderkabinetten präsentierten.
In Anlehnung an ihre ehemals zeittypisch dichte Hängung werden daher auch im Kurpfälzischen Museum die Sujets Stillleben, Genre, Historienbilder biblischen und mythologischen Inhalts, Landschaften und Seestücke kabinettartig präsentiert.

Besonderer Anziehungspunkt für das Publikum ist dabei sicher die Stilllebenmalerei, die mit Blumen- und Früchtestillleben, Gemüsestillleben, bäuerlichen Stallstillleben, sog. Frühstücksstilleben, Raucherstillleben, Waffenstillleben und Jagdstillleben differenziert vertreten ist.

Mit diesen Bildern der Sammlung Posselt werden zugleich die ebenfalls vorrangig von Niederländern gemalten Standesporträts und Veduten zur Geschichte der Kurpfalz vom Beginn des Museumsrundganges eindrucksvoll erweitert.


Adriaen Coorte (um 1656 - nach 1707)

Stillleben mit Spargel und Artischocke, um 1795
Öl auf Leinwand

 

Antonio Canal, gen. Canaletto (1697 - 1768)

Der Canal Grande in Venedig, um 1760
Öl auf Leinwand

 

Rachel Ruysch (1664 - 1750)

Blumenstillleben, 1746
Öl auf Leinwand