Schads Photogramme - Metamorphosen des 'Zufalls'

22. September bis 18. November 2007


Christian Schad wurde am 21. August 1894 in Miesbach (Oberbayern) geboren. Bereits sehr früh zeigte er eine Affinität zur Photographie – er war erst 13 Jahre alt, als er erstmals mit der Kamera experimentierte. Fünf Jahre später verließ er das Gymnasium, um Maler zu werden. Die erste Station seiner künstlerischen Ausbildung war 1913/14 die Münchner Akademie. In den folgenden Jahren entstanden in Auseinandersetzung mit den Kunstströmungen des Kubismus, Futurismus, Expressionismus und Dada Arbeiten in so unterschiedlichen Techniken wie Holzschnitt, Holzrelief, Malerei und Zeichnung.

Bald erweiterte er sein künstlerisches Schaffen auf den Bereich der Photographie. Noch vor Man Ray oder Moholy-Nagy experimentierte Christian Schad 1919 mit Tageslichtpapieren und entdeckte für sich das chemische Reaktionsvermögen als künstlerisches Medium. Er selbst bezeichnete seine Arbeiten als „Photos nach Compositionen“. Später prägte Tristan Tzara in diesem Kontext den Begriff Schadographie.

Mehr als 40 Jahre später griff Schad die Photogrammtechnik in modifizierter Form wieder auf. In einem faszinierenden Mappenwerk übertrug er die Prosagedichte Aloysius Bertrands (1807 -1841), den „Gaspard de la nuit“, in die Poesie der Schadographie. Mit großer Freude am Experiment entstand unter Zuhilfenahme verschiedenster Techniken und Fragmente - aus Collagen, Schattenrissen, Fundstücken und Abfällen - eine Welt des Imaginären, (s)eine phantastische Bilderwelt. „Die Entstehung einer Schadographie im Zusammenspiel von Inspiration und technischen Möglichkeiten ist ein komplexer Vorgang [...] Nichts ist zu Beginn meiner Arbeit endgültig festgelegt. Ich bin offen gegenüber allen Zufällen.“, schrieb er selbst 1980, zwei Jahre, bevor er am 25. Februar 1982 in Stuttgart verstarb.

Konzentriert auf Schads Spätwerk und diese bedeutende Facette seines Oeuvres werden im Rahmen der Ausstellung Schadographien der 1960er/70er Jahre sowie einige druckgraphische Arbeiten des Künstlers im Überblick präsentiert. Alle Exponate stammen aus den Sammlungsbeständen der Edition G. A. Richter, Rottach-Egern, der wir für ihre freundliche Unterstützung danken.

Begleitend zur Sonderausstellung läuft der eigens für die Ausstellung erstellte Film „Stanze“ (I/D 2007) des italienischen Künstlers Fabio Sandri, der analog zu einem Photogrammzyklus Sandris die Schattenwelt ganzer Räume in riesigen Formaten auf Schwarzweißpapier festhält und kommentarlos die hierfür erforderlichen einzelnen Arbeitsschritte dokumentiert.
Regie: Tim Otto Roth



Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg
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Öffnungszeiten:
Di – So 10 – 18 Uhr, geöffnet am 3. Oktober und 1. November 2007

Über das ausführliche Rahmenprogramm informieren Sie sich bitte hier (21 KB)

Negapos, 1962

(c) Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2007

 

Der Zwerg, 1977

(c) Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2007

 

Undine, 1977

(c) Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2007