Die Welle. Zauber der Bewegung
Kunst aus fünf Jahrhunderten

5. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009

„Bewegung, Welle ist Leben.“
Hugo von Hofmannsthal

Mit ihrer Kraft und Turbulenz, ihrer fortwährenden Bewegung und Vielgestaltigkeit spiegelt die Welle die Dynamik und Komplexität unserer Welt wider. Sie suggeriert je nach Wellengang Geborgenheit und Vergnügen, aber auch Furcht und Gefahr. So überrascht es nicht, dass die Welle zu einem Symbol für die menschliche Existenz geworden ist.

Die Bedeutung der Welle für das künstlerische Schaffen thematisiert die Sonderausstellung „Die Welle. Zauber der Bewegung“ mit über 80 Exponaten aus den Bereichen Malerei, Graphik, Fotografie, Skulptur und Buchkunst in einem breiten Bogen über 5 Jahrhunderte.
 
Dramatische Darstellungen der Meereswelle bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung. Als frühestes Werk wird Hendrick Goltzius’ Graphik „Felsen am Meer“ vorgestellt. Kraft, Bedrohung und Untergang signalisieren die Seestücke von Blankerhoff, Smit, Achenbach und Garneray mit Titeln wie „Seesturm mit strandenden Schiffen“ oder„Le Naufragé“.
Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert erscheint bei den Impressionisten und ihren Nachfolgern eine idyllischere, von Licht und Sonne geprägte Wellendarstellung. Die Freilichtmalerei mit ihrer Betonung des Lichtes und der Farbe als Grundelemente künstlerischen Ausdrucks führt zur Aufhellung der Farbpalette. „Sommerabend am See“ von Landenberger oder Roloffs „Strand von Langeland“ zeigen Mensch und Natur in friedlicher Einheit.

Durch die Wellenform und den Einsatz oszillierender Farben lösen sich Künstler wie etwa Nauen und Rohlfs – beide von van Gogh beeinflusst – vom Gegenständlichen. Alles ist in Bewegung, und diese ist wie in der Radierung von Klee „Nicht endend“. Landschaft und Mensch verwandelt Singier in seinem Gemälde „Collioure“ in zart geschwungene Linien. Die vergänglich fließende Welt (ukiyo-e) wird auch in der Kunst des japanischen Holzschnitts thematisiert. Sieben Darstellungen der Welle, darunter die „Große Woge“ aus der Serie ‚36 Ansichten des Berges Fuji’ von Hokusai, eine der wohl berühmtesten Wellendarstellungen in der Kunst, spannen einen Bogen zur europäischen Kunst, die durch sie nachhaltig beeinflusst wurde. Während in Japan die Anhänger der höfischen Kunst bis heute die Holzschnittkunst als Kunst der weniger kultivierten Schichten relativieren, fanden die Impressionisten und bald auch die Wiener Sezessionisten in den japanischen Holzschnitten vieles, wonach sie selber strebten. So greift auch die Ornamentik des Jugendstils in der Buchkunst vielfach auf japanische Vorbilder zurück. Eichrodts Illustrationen „In den Wellen“ oder „Fischerblut“ von Gustav Klimt verweisen deutlich auf diesen Einfluss.
Auch die Kunsttheorie beschäftigt sich mit der Welle als ästhetischer Grundlage. Exemplarisch präsentiert die Ausstellung Schriften von Dürer über Schiller und Hogarth bis zu Kandinsky und Klee.

Eine der ersten Fotografien der Welle überhaupt, eine Meeresansicht des Franzosen Le Gray, datiert aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Um 1930 erscheinen die ersten experimentellen Fotografien, darunter Man Rays „Torse“  und „New York at night“ von Fritz Henle. Antje Seemanns „Großes Wasser II“ von 2004 und „Wasserfarben“ von Maren Arndt (‚Oktober 2005 im Hafen von Bremerhaven) schlagen den Bogen in die Moderne. Weitere aktuelle Beispiele der Gegenwartskunst zeigen Werke aus den Bereichen Skulptur, Installation, Kunstgewerbe und Malerei. So bleibt der „Zauber der Bewegung“ seit den frühen Mythen um Amphitrite und Undine bis heute spürbar.

Das ausführliche Rahmenprogram zur Sonderausstellung "Die Welle" finden Sie im aktuellen Quartalsprogramm
Oktober - Dezember 2008

Leporello zur Sonderausstellung "Die Welle" als pdf-Datei (1,328 MB)

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg

Hauptstr. 97, 69117 Heidelberg

Tel.: 06221 / 58 34 000 und 58 34 020

kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de

www.museum-heidelberg.de

 

Di – So 10 – 18 Uhr

Geschlossen am 24., 25. und 31.12.2008 und am 1.1.2009

 

Eintritt in die Sonderausstellung:

€  6,-, erm. € 4,50

Kinder € 2,50, Familienkarte € 12,-

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 78 Farbabbildungen zum Preis von € 24,80 im Verlag Das Wunderhorn.


 

Aernout Smit (1641/42 - 1710)

Schiffe in Seenot vor felsiger Küste
Öl auf Leinwand, um 1700
Staatl. Kunsthalle Karlsruhe

 

Gustave Singier (1909 - 1984)

Collioure, Collines
Leinwand, 1956
Hamburger Kunsthalle

 

Hellmuth Eichrodt (1872 - 1943)

"In den Wellen", In: Jugend, 1897
Dt. Literaturarchiv Marbach

 

MAN RAY (1890 - 1976)

Electricité / Torse,
Heliogravure
1931