"Lebensnah und unverfälscht"
Pastellporträts aus der Graphischen Sammlung

3. Februar bis 9. Mai 2010 (verlängert!)


Pastelle und ihre Restaurierung

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert erkannten Künstler die Besonderheit der Technik Pastell. Stofflichkeiten ließen sich ideal künstlerisch übersetzen, etwa Textilien, Haut und Haar, aber auch Accessoires wie Schmuck, Puder und Rouge. So ist es nicht erstaunlich, dass man vor allem Portraits mit Pastellstiften fertigte. Die hier im Kabinett präsentierten Werke aus der Graphischen Sammlung des Kurpfälzischen Museums zeigen diese Besonderheit des Pastells. Die vermalten Pigmente sind mineralischen Ursprungs und daher weitgehend lichtecht. Der Farbstaub ist rein mechanisch mit dem Bildträger Papier verbunden, weder Firnis noch Bindemittel unterstützen die Adhäsion. Das unverfälschte Pigment ist somit in seiner originalen Farbigkeit zu sehen. Die pudrige Oberfläche, die fleur, kennzeichnet das Pastell. Sie ist extrem empfindlich gegenüber jeder Art von Berührung. Staub und Schmutz lassen sich vom Pastell nur schwer entfernen, da die Staubpartikel kaum von den Farbpartikeln zu unterscheiden sind. Über die Möglichkeiten einer Fixierung hat man seit dem 18. Jahrhundert diskutiert. Sie ist allerdings kaum möglich, weil das Hinzufügen eines Bindemittels die Lichtbrechung auf die Oberfläche verändert und den samtigen Charakter des Pastells beeinträchtigt. Daher hat man Pastelle immer verglast. Neben der schützenden Funktion erzeugt die Verglasung aber auch eine kaum wahrnehmbare Refraktion, die dem Bildeindruck Brillianz verleiht. Thea Burns fasst diese Eigenschaften als to preserve the work and to render it still more pleasing to the eyes zusammen. In der Konservierung und Restaurierung sind spezielle Maßnahmen für Pastelle zu beachten. Wichtig ist vor allem eine geeignete Rahmung, die die Oberfläche vor Staub und Insekten schützt. Die eingesetzten Materialien müssen einen Klimaaustausch zulassen, damit sich keine Kondens-feuchtigkeit bildet. Darüber hinaus sollten Pastelle so wenig wie möglich bewegt werden, um dem Verlust von Farbpartikeln vorzubeugen. Die größte Schwierigkeit bei der praktischen Restaurierung besteht vor allem darin, die Oberfläche des Pastells nicht zu berühren. Diese Sensibilität der Materialien macht die Restaurierung von Pastellen zu einem Spezialgebiet innerhalb der Papierrestaurierung.

Anfänge

Bereits im 16. Jahrhundert wurde ein einfarbiger Zeichenstift aus gepresstem Farbstaub a pastello genannt. Die Bezeichnung rührt von pasta (Teig) her. Zur Herstellung wird ein Pigment, in den Anfängen vor allem Erdpigmente wie Rötel oder Ocker, fein vermahlen. Durch Zugabe von Wasser und einem wasserlöslichen Bindemittel wie Gummi Arabicum wird ein Farbteig produziert, der in Form von Rollen getrocknet wird. Auf einem aufgerauten Untergrund wie Pergament oder vorbehandeltem Papier reibt sich der Pastellstift leicht ab. Das ganze 16. Jahrhundert hindurch wird das Pastell benutzt, um gezeichnete Bildnisse mit einigen Farbnuancen zu höhen und so den Bildeindruck zu beleben. Zudem ermöglichen Pastellstifte in relativ kurzer Zeit die Anlage einer farbigen Kompositionsskizze, die z. B. Freskomalern einen malerischen Eindruck ihres Entwurfs vermittelt. Pastellstifte sind trockene Malmittel und können im Gegensatz zu einem nassen Malmittel wie Aquarell oder Ölfarbe nicht vermischt oder verdünnt werden. Um eine Farb- und Nuancenvielfalt zu erhalten, mischt man ein Pigment mit unterschiedlichen Anteilen von Weiß oder Schwarz aus. So sind Farben in allen denkbaren Abstufungen möglich. In den Anfängen der Pastellmalerei verwendete man vor allem Kreide oder Bleiweiß zur Ausmischung. Heute wird weitgehend das künstliche Weißpigment Lithopon eingesetzt.


Yvonne Stoldt

Öffentliche Führungen KUNST AM MITTAG:
Mittwoch, 17. Februar und 17. März, jeweils 12.15 - 12.45 Uhr

 

Bildnis eines Herrn aus der Familie Pannebakker

unbekannter Maler, um 1810/1820

 

Bildnis einer Dame aus der Familie Pannebakker

unbekannter Maler, um 1810/1820

 

Kurpf. Hofgerichtsrat Friderich Casimir Heidel

Nikolaus Lauer, 1792 (?)