Robert Sterl - ein deutscher Impressionist

Werke aus einer rheinischen Privatsammlung

31. Oktober 2010 bis 27. Februar 2011

Robert Sterl ist wie andere Dresdner Künstler – beispielsweise Gotthardt Kuehl oder Carl Bantzer – weniger bekannt als Max Liebermann, Lovis Corinth oder Max Slevogt. Dennoch gehört er mit seinem Werk zu den bedeutenden Vertretern des deutschen Impressionismus, der in den letzten Jahren zunehmend Gegenstand von Sonderausstellungen wird. Mit ihnen wird erkennbar, dass dieser sich nicht vom französischen Vorbild ableitet, sondern eigene Wurzeln hat, wozu vor allem die an vielen Orten betriebene Freilichtmalerei beigetragen hat.

Eine rheinische Privatsammlung gibt nun im Kurpfälzischen Museum, das in seiner Dauerausstellung u.a.Gemälde von Slevogt, Corinth und Trübner zeigt, Gelegenheit, Einblick in das Schaffen eines sächsischen Impressionisten zu nehmen, der anlässlich einer Reise in den Südwesten 1900 auch Heidelberg besucht hat. Die in der Sammlung vertretenen Arbeiten von Robert Sterl – Ölgemälde und Ölskizzen, Zeichnungen und Druckgraphiken – geben einen Überblick seiner künstlerischen Entwicklung, die von frühen Studienköpfen im Stile Rembrandts bis zu ersten expressiven Ausdrucksformen reicht.

Hauptsächlich vertreten sind kleinformatige Landschaften, vorrangig hessische Naturaufnahmen, zarte Reiseimpressionen aus Russland, Porträts und mit Steinbruch-, Hafen- und Erntearbeitern kraftvolle Schilderungen aus der Arbeitswelt. Sterls Gesamtwerk ist vor allem von Landschaften geprägt. Daneben trat er in Dresden als gefragter Bildnismaler der gehobenen Gesellschaft in Erscheinung. Dazu zählen auch Porträts von Dirigenten, Komponisten und Orchestermusikern seiner Zeit, die er durch Figurendarstellungen aus dem Dresdner Musikleben bereicherte.

Zu seinen besonderen Themen aber, mit denen er den deutschen Impressionismus eigenständig bereicherte, gehören farbige Lichtimpressionen der vielfältigen Erscheinungswelt Russlands, die er auf seinen Reisen bei Wolgatourneen mit russischen Musikern kennen lernte, und vor allem eindrückliche Beschreibungen von Sandsteinbrüchen. Bar jeder Sentimentalität und Anklage beschreibt Sterl in seinen Bildern die bedrückende Arbeitswelt von Steinbrechern, Lastträgern, Schiffsziehern und Erntearbeitern; angeregt von Gustave Courbets Steineklopfern, 1849, oder Ilja Repins Schiffszieher auf der Wolga, 1870/73, fand der sächsische Künstler dabei völlig selbständige Bildlösungen.

1867 als Sohn eines Steinmetzes in Großdobritz bei Dresden geboren, studierte er 1881-1888 an der dortigen Königlichen Akademie der Bildenden Künste, an der er selbst nach seiner Ernennung zum Professor 1906 bis zu seinem Tode Einfluss auf die sächsische Kunstszene nehmen sollte. So unterstützte er 1919 die Berufung Oskar Kokoschkas an die Dresdner Akademie. Seiner Heimatstadt blieb Sterl zeitlebens verbunden. 1891 begann er sich den akademischen Vorgaben zu entziehen und wandte sich dem Naturalismus und der Arbeit vor der Natur zu. Er trat in Kontakt zu den Freilichtmalern um Carl Bantzer in der sächsischen Künstlerkolonie Goppeln. 1894-1904 hielt er sich zum Naturstudium regelmäßig während der Sommerzeit in Hessen auf, wo er mit Vertretern der Willingshauser Malerkolonie zusammen kam, sich selbst aber abseits im Töpferdorf Wittgenborn in einem kleinen Atelierhaus niederließ.

Sterl unternahm Studienreisen durch Deutschland und ins Ausland, unter anderem 1892/93 nach Frankreich, was die impressionistischen Tendenzen seiner Arbeiten erkennbar verstärkte. Hier malte er in ländlicher Umgebung an der Seine und an der französischen Nordküste; in Paris galt sein Interesse dem Werk Jean-Francois Millets, einem der Hauptvertreter der Schule von Barbizon. Wiederholt reiste Sterl auch nach Brüssel und Böhmen, 1906 nach Wien und Holland – Amsterdam, Haarlem, Rotterdam – und 1908-1914 viermal nach Russland. 1915 war er als Kriegsmaler an der Westfront in Frankreich, 1917 an der Südfront in den Dolomiten in Tirol. Gegen Kriegsende 1918 hielt er sich einige Zeit zu Studienzwecken in den Krupp‘schen Werken in Essen auf, wo Studien zu Hochofenarbeitern entstanden.

Befreundet war Sterl mit Wilhelm Claudius und Carl Bantzer, 1902 begegnete er dem Künstler Constantin Meunier, 1906 in Worpswede Heinrich Vogeler, 1912 Max Klinger in Leipzig. Mit seinem gleichaltrigen Künstlerfreund Slevogt verband ihn das ausgeprägte Interesse am Musiktheater, so hatte Sterl Kontakt mit Max Reger, Ernst Edler von Schuch, Arthur Nickisch, Sergei Kussewitzky, Alexander Skriabin, Richard Strauss und der Familie Mendelssohn-Bartholdy. Nachdem der Künstler sich aufgrund seiner schlechten Gesundheit 1930 zunehmend aus dem Akademiebetrieb zurückgezogen hatte, verstarb der 1932 in Naundorf im Elbsandsteingebirge, wo er auf dem Grundstück seines 1919 erworbenen Wohn- und Atelierhauses bestattet wurde. In ihm wird heute in wechselnden Präsentationen sein künstlerischer Nachlass ausgestellt.

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg
Hauptstr. 97, 69117 Heidelberg
Tel.: 06221 / 58 34 000 und 58 34 020
Fax: 06221 / 58 34 900
kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de
http://www.museum-heidelberg.de/

Öffnungszeiten;
Di - So 10 - 18 Uhr
Mo geschlossen sowie am 24., 25., 31.12.2010 und 1.1.2011 und 8.3.2011 (Fastnachtsdienstag)

Eintritt: € 6,-, erm. € 4,50

Mehr lesen zum Rahmenprogramm der Sonderausstellung. (29 KB)

Interieur einer Diele mit Treppenaufgang

o.J.
Öl auf Leinwand
41,0 x 56,0 cm

 

Am Hafen von Astrachan

um 1910
Öl auf Leinwand
47,5 cm x 54,0 cm
monogrammiert

 

Blöcke in einem Steinbruch

um 1907/09
Öl auf Pappe
23,0 cm x 30,0 cm
signiert

 

Porträt zum Apotheker (Variante)

Ende der 1880er Jahre
Gouache