Poesie und Realität

Der Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses in der Frühzeit der Fotografie


9. April bis 7. Mai 2006

Das Renommee des Heidelberger Schlosses erreichte während der Romantikepoche seinen Höhepunkt. Kaum ein Reiseführer entlang des Rheins, der einen Abstecher in das romantische Heidelberg nicht als besonders empfehlenswert gepriesen hätte! Zahlreiche Lithographien mit Ansichten des Schlosses und des Neckartales bewarben die romantische Stadt am Neckar und auch das 1839 erfundene Medium der Fotografie wandte sich diesem faszinierenden Motiv zu. Während sich die Daguerreotypie als unzureichendes Mittel für die Verbreitung erwies, da das Original als Unikat nicht reproduzierbar war, wurde es mit der neuen Technologie (Wachspapiernegativ, Albumin), die ab 1850 eine rasante Entwicklung verzeichnete, möglich, Heidelberg und sein Schloss in zunehmend qualitätvollen Abzügen zu zeigen. Dabei übte die Ästhetik der bildenden Kunst einen starken Einfluss auf die ersten fotografischen Aufnahmen des Schlosses aus. Die größten Vertreter der „goldenen“ Anfangszeit der Fotografie (von etwa 1839 bis 1870) haben oft eine Ausbildung als Maler genossen. Charles Marville (1816 – 1879) war Maler, Gustave Le Gray (1820 – 1882) begann sein Studium bei dem bekannten Akademiemaler Paul Delaroche, die Brüder Bisson (Auguste Rosalie 1826 – 1900, Louis Auguste 1814 – 1876) haben ihre Lehre im elterlichen Atelier des Vaters absolviert, der Maler und Dekorateur war. Auch die in Heidelberg tätigen deutschen Fotografen waren entweder Maler oder haben im Laufe der Zeit über die Malerei zur Fotografie gefunden, wie etwa Georg Maria Eckert (1828 – 1901). Stand bei den ersten Aufnahmen noch die Intention im Vordergrund, das speziell „Romantische“ der Ruine herauszustellen – besonders deutlich zeigt sich dies in Eckerts Gegenlichtaufnahmen - , so nutzte man gegen Ende der 1860er Jahre die Möglichkeit, mithilfe von fotografischen Aufnahmen den Bauzustand des Schlosses zu dokumentieren, sowohl von innen wie auch von außen. Diese Entwicklung ist im Werk von Franz Richard (?in Heidelberg – 1901 in München) besonders eindrucksvoll zu erkennen. Richard baute ein über 30 m hohes Stativ, mit dessen Hilfe er die einzelnen Statuen des Ottheinrichsbaus ablichtete. Sein Verfahren wurde vom Mainzer Fotografen Carl Hertel (1832 – 1906) in den 1880er Jahren noch perfektioniert.

Knapp 100 Fotografien, die vorwiegend aus Privatbesitz stammen, werden in dieser Sonderausstellung gezeigt. Es sind die frühesten Aufnahmen vom Heidelberger Schloss, die wesentlich dazu beitrugen, das Bauwerk als romantischen Stimmungsträger zu etablieren. Gleichzeitig nimmt die Ausstellung Bezug auf das 450jährige Jubiläum des Ottheinrichsbaus, das in diesem Jahr begangen wird.

 

   

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg

Hauptstraße 97

69117 Heidelberg

Tel.: 06221 – 58 34 000 /20

Fax: 06221 – 58 34 900

kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de

www.heidelberg.de

 

Eintritt: € 4,-, erm. € 3,-

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wunderhorn-Verlag zum Preis von € 14,-.

Öffnungszeiten:

Di – So 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen

Geöffnet Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag (14.,16. und 17. April), geschlossen am 1. Mai 2006

 

 


 

Ottheinrichsbau

Franz Richard auf seinem Podest

Franz Richard
Albuminabzug
vor 1864

 

Statuen des Ottheinrichsbaus

Franz Richard
Albuminabzug
vor 1864

 

Ottheinrichsbau, Statue des Mars

Franz Richard
Albuminabzug
vor 1864