11. Internationale Biennale der Spitze

20. Februar bis 15. Mai 2005

Das Gesicht der Internationalen Biennale der Spitze hat sich gewandelt. Einhergehend mit dem auffälligen Rückgang belgischer Teilnehmerinnen sind auch die klassischen Techniken wie Klöppel- und Nadelspitze stark in den Hintergrund getreten, sie belaufen sich nur noch auf ca. 15%. Experimentelle Materialien und Techniken sind also auch bei der Spitze wie bei allen anderen textilen Künsten im Vormarsch begriffen. Die aktuelle Biennale trägt außerdem wieder verstärkt ihrem internationalen Anspruch Rechnung, indem Künstlerinnen und Künstler aus 13 Nationen vertreten sind, darunter erfreulicherweise sechs aus den neuen östlichen EU-Mitgliedstaaten. Wie Phoenix aus der Asche wiederaufgetaucht sind Teilnehmerinnen aus Deutschland, unter denen sich immerhin zwei Preisträgerinnen befinden. Lediglich fünf der 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren schon ein- oder mehrmals an einer der vergangenen Biennalen beteiligt, ebenfalls ein Indiz für die Umbruchsituation. Bemerkenswert ist auch, dass etwa 80% der Künstlerinnen und Künstler über einen professionellen Background verfügen.

Die zwölfköpfige internationale Jury erkannte die fünf Preise wie folgt zu: Den Grand Prix Reine Fabiola erhielt die Französin Fanny Viollet für ihr Werk „La mémoire, une dentelle de mots“. Bei diesem subtilen und vielschichtigen Werk folgen gestickte Auszüge aus dem Hohelied Salomons den Konturen und der Binnenzeichnung eines weiblichen Körpers, welcher in ein altes Leinenhemd eingesetzt ist.
Mit unwesentlich schlechterem Stimmergebnis bekam die deutsche Textilprofessorin Dorothea Reese-Heim den Goldenen Klöppel für „Catcher Reusen Doppelfänger“ zuerkannt, einer Installation aus sieben Objekten. Diese zoomorph wirkenden Gebilde sind – inspiriert von den Reusen maltesischer Fischer – aus Pflanzenfasern lose geflochten und mit ‚Härchen’ ausgestattet. Diese bestehen aus schwarzen Kabelbindern und besitzen somit eine große Spannkraft und Festigkeit.

Für ihre Arbeit „The Voters“, einer zarten Arbeit aus einem feinen Baumwollstoff, gewann die Estin Kadri Viires den Silbernen Klöppel. Abdrücke von Händen, die auf prähistorische Höhlenmalereien verweisen, sind von der Künstlerin in einer eigenen Technik durch das Zusammenschieben der Gewebefäden geschaffen worden.
Als zweite deutsche Preisträgerin erhielt die bei vielen Wettbewerben vertretene Inge Stahl den Bronzenen Klöppel für „Skin Repair I und II“. Diese beiden Arbeiten gehören zu einer Serie, die sich mit dem Alterungsprozess von Haut und Textilien beschäftigt, der sogenannten AGING-ANTI-AGING-Serie. Zwei kostbare alte, sehr verschlissene Stoffe sind durch Laminieren oder Aufnähen auf einen Trägerstoff und Stickereien gefestigt und damit kurzzeitig vor dem unaufhaltsamen Verfall gerettet worden, ähnlich wie die menschliche Haut durch tägliche Pflegeprozesse.

Den Kristallenen Klöppel erkannte die Jury der in der Vergangenheit bereits mehrmals vertretenen Bulgarin Anna Boyadjieva für ihr Werk „Frame of my mind and my body“ zu. Diese zehnteilige Arbeit besteht aus acht zarten, durchbrochenen Frauentorsi und zwei Fußfragmenten, die durch Abformungen am eigenen Körper entstanden sind. Assoziationen an griechische Statuen, vor allem der Musen, sind von der Künstlerin beabsichtigt.
Ähnlich experimentell wie die preisgekrönten Arbeiten sind alle Exponate der 11. Internationalen Biennale der Spitze, die dadurch wieder einmal so spannend wie wegweisend ist.

Im Rahmen der 11. Internationalen Biennale der Spitze sind auch drei Arbeiten der Niederländerin Maria Diduch, der Preisträgerin des Jahres 2002, zu sehen. Die gebürtige Polin  experimentiert seit über 12 Jahren mit einer Technik, bei der Fasern aus Seide und anderen Materialien in Zellulose-Pulp getaucht werden und dadurch einen subtilen Spitzencharakter hervorrufen.

Ausstellungsort:

Textilsammlung Max Berk
Brahmsstraße 8
69118 Heidelberg-Ziegelhausen

Ausstellungsdauer:

20. Februar bis 15. Mai 2005

Öffnungszeiten:

Mittwoch, Samstag, Sonntag 13-18 Uhr
Geschlossen am 1. Mai
Sondertermine für Gruppen nach Vereinbarung

Eintritt: 

2 €, ermäßigt 1 €, Schüler 0,50 €

Katalog:

Zur Ausstellung ist ein Katalog (englisch/französisch/niederländisch) mit 64 Seiten und 29 Farbabbildungen erhältlich.
Preis: 15 €

Weitere Informationen:

Textilsammlung Max Berk • Kurpfälzisches Museum
Telefon: 06221 800317, Fax: 06221 809657
E-Mail: kmh-textilsammlung-max-berk@heidelberg.de

 

 

Fanny Viollet
Frankreich
„La mémoire – une dentelle de mots“

 

Peteris Sidars
Lettland
„Before Springtime“

 

Élyse de Lafontaine
Kanada
„Intersection“