MAX BECKMANN, "Apokalypse"

„Apo Endspurt“ (Tagebuch Max Beckmann, 27.12.1941, Amsterdam)


Im Amsterdamer Exil realisierte Max Beckmann 1941 auf Anfrage von Freunden aus dem Frankfurter Bürgertum einen Zyklus zur „Geheimen Offenbarung des Johannes“. Es entstanden 27 schwarzweiße Einzelblätter auf Umdruckpapier, die auf geheimen Wegen nach Frankfurt am Main in die Bauersche Gießerei zu ihrem Eigentümer Georg Hartmann gebracht und dort lithographiert wurden. Offiziell hergestellt wurden 24 Mappen, in denen Beckmanns Illustrationen mit dem Text der Johannesapokalypse in der Lutherschen Fassung von 1545 miteinander verbunden wurden. Privatdrucke in solch kleiner Auflage mussten nicht der Zensurbehörde vorgelegt werden. Dennoch war ihre Produktion mit hohen Risiken verbunden, denn Beckmann galt als „entarteter“ Künstler und hatte bereits 1937 Deutschland verlassen.

Im April und Mai 1942 kolorierte Max Beckmann einen Satz der gedruckten Illustrationen, die der Werkstatt in Frankfurt dann als Prototyp dienten. Junge Frankfurter Künstlerinnen und Künstler, ehemalige Beckmannschüler aus der Städelschule, kolorierten die weiteren Exemplare von Hand. Mehrere Exemplare dieser Mappe wurden in verschiedenen Sammlungen aufbewahrt. Erst vor kurzem wurden die Beckmann-Originalblätter wiederentdeckt, die sich teilweise deutlich von den später in Frankfurt kolorierten Blättern unterscheiden.

Beckmanns apokalyptische Darstellungen sind nicht als konkretes Abbild der Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges gedacht. Bewusst setzt sich der Künstler davon ab und schafft ein grundlegendes Werk zur Ursymbolik der Vernichtung, das die Ebenen von Traum und Realität, Vision und Wirklichkeit miteinander verschränkt.

Die Heidelberger Präsentation, ein Kooperationsprojekt mit den Museen in Wiesbaden und Goch am Niederrhein sowie dem Felix Nussbaum Haus Osnabrück und dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, beschränkt sich nicht auf die Präsentation von jeweils 27 s/w-Drucken und den später kolorierten Blättern. 

Sie erweitert die Ausstellung um Apokalypse-Illustrationen des 16.-19. Jahrhunderts - Darstellungen aus der kostbar illustrierten Ottheinrichshandschrift der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft und aus Bibeldrucken der Universitätsbibliothek Heidelberg.



Konzert begleitend zur Ausstellung:

ensemble „phorminx“ im Rahmen des Musikfestivals  „Heidelberger Frühling“ spielt Auftragskompositionen von Adriana Hölszky, Nicolaus A. Huber, Volker Blumenthaler, Jan Kopp und Benjamin Schweitzer. Moderne Musik antwortet dabei auf Beckmanns Werk und seine spezielle Thematik:

Dienstag, 5. April 2005, 19 Uhr Einführung zur Ausstellung im Kurpfälzischen Museum
20 Uhr Konzert

Eintritt: € 20,-
Karten über Heidelberg Ticket Service: 06221 / 58 20000



Informationen zur Ausstellung:
Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg
Hauptstraße 97, 69117 Heidelberg
Tel. 06221 – 58 34 000 oder 58 34 020
Fax 06221 – 58 34 900
E-Mail: kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de

Eintritt: € 5,-, erm. € 3,-

Öffnungszeiten:
Di – So 10 - 18 Uhr, Mo geschlossen
Geschlossen am 1. Mai, geöffnet Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag (5.5. bzw. 16.5.2005)


Katalog zur Ausstellung (vergriffen):
Max Beckmann. Apokalypse. Der wiederaufgefundene handkolorierte Zyklus, mit Beiträgen von Klaus Gallwitz, Andreas Hansert und Peter Beckmann. 127 Seiten inkl. eines faksimilierten Abdrucks der kompletten Apokalypse, Wiesbaden 2004.
Preis: € 15,-

Abbildung aus rechtlichen Gründen nicht möglich

 

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