Lucas Cranach d.Ä., "Sündenfall", 1525

(c) KMH

Cornelius Völker, "Apfel", 2002

(c) VG Bild-Kunst Bonn 2015

Georg Baselitz, "Orangenesser", 1982

(c) Georg Baselitz 2015

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"Reife Früchte - junges Gemüse"

Stillleben im Dialog

18. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016


Die große Herbst-/Winterausstellung des KMH zu einem der ältesten Themen der Kunstgeschichte stellt ausgewählte Stillleben aus den Sammlungen des Kurpfälzischen Museums, ergänzt durch auswärtige Leihgaben, einer Auswahl an Werken der Stiftung für Fruchtmalerei und Skulptur des Heidelberger Unternehmers Dr. Rainer Wild gegenüber. Diese hat sich auf die Darstellung von Früchten aus dem 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert und enthält u.a. Arbeiten von Ai Weiwei, Georg Baselitz, Fernando Botero, Nathalie Djurberg, Jan Fabre, Karin Kneffel, Thomas Scheibitz, Marc Quinn und Andy Warhol.
 
Gezeigt werden ca. 100 Exponate: Gemälde, Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen, Porzellan, Skulpturen und Videoarbeiten - punktuell didaktisch präsentiert als direkte Gegenstücke - zu den hauptsächlichen Themenschwerpunkten Apfel, Trauben, Zitrusfrüchte, Pfirsich, Beeren, Gemüse, Spargel und Melonen.
 
Durch die Gegenüberstellung vergleichbarer Bildinszenierungen, z.B. horizontal auf Tischen oder vertikal vor Landschaftsausschnitten, und Bildmotiven aus fast fünf Jahrhunderten soll auf formale wie inhaltliche Gemeinsamkeiten, aber auch auf die deutlichen Unterschiede der jeweiligen künstlerischen Intentionen aufmerksam gemacht werden.
 
Wölbt sich bei dem 1525 von Lucas Cranach d.Ä. gemalten „Sündenfall“ noch ein üppiger Apfelbaum der Erkenntnis über Adam und Eva, so wirkt Cornelius Völkers fast 500 Jahre später gemalter Apfelbutzen fast wie ein ironisch-witziger Kommentar zur langen Bedeutungstradition dieses Fruchtmotivs. Bruno Peinados knallroter Kunststoffapfel setzt diese heitere Kommentierung fort, bringt allerdings das Thema Vergänglichkeit, das nahezu allen alten Stillleben zugrundeliegt, auch im 21. Jh. auf fast comichafte Weise wieder zur Anschauung. So wird erkennbar, wie veränderte Lebensrealitäten der Künstler auch veränderte Sichtweisen auf jahrhundertealte Bildmotive produzieren, künstlerische Ausdrucksweisen und Strategien sich wandeln.   
 
Analog zur gesellschaftlichen Entwicklung vollzieht sich auch die Herauslösung des Stillleben-Sujets aus den überkommenen religiösen Darstellungen des Spätmittelalters. Porträts und Genredarstellungen der Barockzeit mit ihren jeweiligen unterschiedlichen metaphorischen Aufladungen feiern Genuss und Glanz und verweisen gleichzeitig anspielungsreich auf die Vergänglichkeit alles Irdischen. Neue Stilllebenthemen zielen auf Politik, Erotik, Werbung oder Magie; Skulpturen und Videoarbeiten erobern den Raum und setzen die Objekte in Bewegung.