Theo Schmuz-Baudiss (1859 - 1942)

Mädchen mit Sittich,
um 1910
Öl auf Leinwand
Bröhan-Museum Berlin
(c) Foto: Martin Adam, Berlin

Utagawa Kunisada I. (1786 - 1864)

Schauspieler Sawamura Tossho, 1820-30
Farbholzschnitt
MAK, Wien

Adolf Hölzel (1853 - 1934)

o.T., Buntstift, Bleistift auf Papier
Adolf-Hölzel-Stiftung Stuttgart

Bruno Feger (*1962)

Kirsche, 2004
Stahl und Kunstharz
Stiftung für Fruchtmalerei und Skulptur, Heidelberg

Kirschblütenträume

Japans Einfluss auf die Kunst der Moderne

7. Oktober 2012 bis 10. Februar 2013

Seit etwa 1640 hatte Japan unter der Tokugawa-Dynastie seine Handels- und Wirtschaftskontakte mit dem Ausland extrem eingeschränkt. Erst 1853 erzwang der Kommandeur der amerikanischen Flotte, Matthew Calbraith Perry, mit militärischem Druck den Aufenthalt seines Schiffes in der Tokyo-Bucht; der Abschluss eines Handelsvertrages und die Einsetzung eines amerikanischen Konsuls folgten. Innerhalb weniger Jahre war die jahrhundertelange Isolation Japans nahezu völlig aufgehoben. Schon kurz nach der Öffnung des Landes begeisterte man sich in den westeuropäischen Hauptstädten für japanische Kunst, Kultur und Lebensart - in der Tradition des Interesses an der Chinamode, die im 18. Jh. vor allem aristokratische Kreise inspiriert und fasziniert hatte.

Paris und London wurden die Zentren für Ostasiatica. Bereits ab 1860 boten französische Händler Farbholzschnitte, Keramik, Lackwaren und Bronzen an, in London kamen die japanischen Bestände der Weltausstellung von 1862 auf den Markt. Japan war dort bereits mit über 600 Exponaten aus allen kunstgewerblichen Bereichen vertreten gewesen. Die auf der Weltausstellung in Paris 1867 gezeigten Kunstwerke begeisterten die französischen Impressionisten. Um 1870 machten sich die ersten Ostasiatica-Sammler auf den Weg nach Japan.

In der Beschäftigung mit dieser exotischen Kultur, von der jahrhundertelang kaum etwas nach außen gedrungen war, fanden die Mitglieder der künstlerischen Avantgarde ein breites Spektrum von Anregungen für die Gestaltung einer neuen Bild- und Formsprache. Schon die Begegnung mit den ersten farbigen Reproduktionen von ukiyo-e-Holzschnitten – Darstellungen der „fließenden Welt“ (ukiyo-e) - , die Matthew Perry seinem offiziellen Bericht über die Expedition nach Japan und China mitgegeben hatte, kann als Schlüsselerlebnis gelten und gab vor allem der Bildwelt des Impressionismus starke Impulse.

Das Erfassen des Wesens einer Landschaft, das Wagnis naturfremder Farben, die Betonung von Linie, Farbe und Fläche und das daraus resultierende Bild ohne Perspektive und Plastizität bis hin zur Deformierung und karikaturhaften Verzeichnung waren Stilmerkmale der japanischen Kunst und eröffneten den europäischen Künstlern und Kunsthandwerkern völlig neue Perspektiven.

In der aktuellen Sonderausstellung des KMH verdeutlichen dies u.a.Werke von Theo Schmuz-Baudiss, Hans Makart, Félix Vallotton, Édouard Vuillard, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Gustav Klimt, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Franz Marc und Egon Schiele.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Adolf Hölzel. Von ihm werden bisher nicht gezeigte Werke vorgestellt. Seine Farb- und Formexperimente, abstrakten Ornamente, Tuschezeichnungen und seine Lehre der künstlerischen Mittel stellen einen der kreativsten Rezeptionsprozesse der ostasiatischen Kunst dar.

Durch die Zusammenarbeit mit dem MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien, werden Höhepunkte der japanischen Kunst vom 16. bis 19. Jahrhundert zu sehen sein. Das Spektrum reicht von Paravents, Rollbildern und Tuschemalerei bis zu Holzschnitten von Hokusai, Hiroshige, Utamaro, Harunobu, Kunisada und anderen. Moderne Keramikobjekte zeitgenössischer japanischer Künstler ergänzen diesen Bereich der Präsentation.

Für die Darstellung der westlichen Kunst werden Leihgaben aus der Neuen Pinakothek in München, dem Wallraf-Richartz- Museum Köln, der Bremer Kunsthalle, dem Brohän-Museum in Berlin, dem Kunstmuseum Stuttgart, dem Leopold Museum in Wien, dem Musée des Beaux-Arts de Rennes, dem Musée des Beaux-Arts de Nantes, dem Kunstmuseum Winterthur und aus Privatsammlungen gezeigt.

Die Ausstellung wurde kuratorisch betreut von Prof. Dr. Hans-Günther Schwarz und Dr. Geraldine Gutiérrez de Wienken.

Eintritt: € 6,-, erm. € 4,50 Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von € 24,80 im Heidelberger Verlag Das Wunderhorn.

Im Quartalsprogramm Oktober - Dezember 2012 (339,9 KB) finden Sie ein breites Rahmenprogramm zur Ausstellung, das im Januar 2013 fortgesetzt wird. In Kooperation mit dem Zentrum für Ostasienwissenschaften / Institut für Japanologie der Universität Heidelberg bietet das KMH drei Vorträge im Rahmenprogramm an:

Mittwoch, 12.12.2012, 19 Uhr
Till Knaudt, M.A.: Landesöffnung und Rückkehr des Westens nach Japan

Mittwoch, 9.1.2013, 19 Uhr

Prof. Dr. Judith Árokay: Die Frau in der japanischen Literatur

Mittwoch, 6.2.2013, 19 Uhr Dr. Rebecca Mak: Darstellungen des "Westens" in der modernen japanischen Literatur