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Forschung

Die wissenschaftliche Bearbeitung und die anschließende Veröffentlichung des römischen Brand- und Körpergräberfeldes von Heidelberg-Neuenheim ist vorrangiger Forschungsauftrag des Museums.

Das seit 1999 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprojekt wird gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und einer Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern aus Universität, Museum und Landesdenkmalamt durchgeführt. Der bereits in den 50er und 60er Jahren vollständig ausgegrabene Friedhof gilt heute als größter Bestattungsplatz der Römerzeit in Süddeutschland. Er erstreckte sich auf einer Länge von etwa 450 Metern beiderseits jener Straße, die in schnurgerader Linie Kastelle und Vicus von Heidelberg-Neuenheim mit Lopodunum (Ladenburg a.N.), dem Verwaltungsmittelpunkt der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium verband. Zwischen 80 und 190 n. Chr. wurden dort sowohl Soldaten zweier Hilfstruppeneinheiten der Cohors XXIIII Voluntariorum Civium Romanorum und der Cohors II Augusta Cyrenaica Equitata als auch Angehörige der Zivilbevölkerung in etwa 1400 Gräbern bestattet. Die derzeitigen Untersuchungen konzentrieren sich auf drei Arbeitsbereiche: Als erstes die absolute und relative Chronologie des mit 110 Jahren nur sehr kurz belegten Bestattungsplatzes. Anschließend wird die kulturgeschichtlich entscheidende Frage nach den keltischen, germanischen und mediterranen Einflüssen gestellt. Schließlich werden die naturwissenschaftlichen Untersuchungen zur Anthropologie, Archäozoologie und zur Archäobotanik Daten zu Alter, Geschlecht und pathologischen Erscheinungen liefern. Zu erwarten sind auch neue Erkenntnisse zur Umwelt, Ernährung und sozialen Schichtung der Bevölkerung, sowie deren ökonomische Verhältnisse.

Literatur:
A. Hensen, Gräberfeld im Campus. Archäologie in Deutschland 1/2003 (Stuttgart 2003).- A. Hensen, Joachim Wahl, Elisabeth Stephan, Carola Berszin, Eine Ärztin aus dem römischen Heidelberg. Archäologisches Korrespondenzblatt 34, 2004 (Mainz 2004) S. 81-100.

Im Januar 2010 wurde nun Band 1 der abschließenden Publikation vorgestellt:
Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg
Band 108 (2009): Das römische Brand- und Körpergräberfeld von Heidelberg I, Andreas Hensen
ISBN: 978-8062-2333-0
684 S., 581 Taf. mit 1 Beilage
148,- € (2 Bände)


Momentaufnahmen aus dem Jahre 1622 – Archäologische Spuren der Belagerung Heidelbergs durch General Johann Tserclaes Graf von Tilly

In einem Ende des Jahres 2006 angelaufenen Projekt werden derzeit Befunde aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Belagerung der Stadt durch den Feldherrn Tilly neu dokumentiert. Ziel der Geländearbeiten ist es, einen Zusammenhang mit den bisher geborgenen Objekten herzustellen und dem für die Neuzeitarchäologie bedeutenden Fundkomplex dadurch eine aktuelle Wertigkeit zu geben.

Das Geschehen während des Dreißigjährigen Krieges wurde durch Johann Tserclaes Graf von Tilly entscheidend mitgeprägt. Im Jahre 1622 stand er mit einem Heer von 15 000 Mann vor Heidelberg, der Residenz des protestantischen Pfalzgrafen Friedrich V. Die Befestigungsanlagen der Stadt waren zuvor nur unvollständig verstärkt worden. Ein erster Versuch Tillys, Heidelberg von Norden über den Heiligenberg einzunehmen, blieb erfolglos. Daher startete er einen neuen Angriff von Süden. Auf dem Heiligenberg, dem Königstuhl, der Sprunghöhe, dem Gaisberg und Boxberg ließ er befestigte Lager errichten. Für den Angriff auf Heidelberg wurden zudem mehrere Artilleriestellungen und Laufgräben angelegt.

In den Jahren 1962 - 1984 barg Berndmark Heukemes, der damalige Leiter der archäologischen Abteilung des Kurpfälzischen Museums, unterstützt durch ehrenamtliche Helfer, mehr als 3000 Funde aus den Lagerarealen. Bisher konnte nur ein kleiner Teil der 1622 in den Boden gelangten Objekte konserviert und publiziert werden. Erstmals lassen sich nun Informationen über die Heere des Dreißigjährigen Krieges anhand eines größeren Fundkomplexes nachvollziehen, der zudem einen chronologischen Fixpunkt für die Neuzeitarchäologie darstellt. Die Funde geben Auskunft über die Versorgung eines Heeres sowie das Leben in den Lagern, beides Aspekte, die sonst nur aus wenigen Schrift- und Bildquellen bekannt sind.

Befunde und Funde von Belagerungen geben den direktesten Blick auf das Kampfgeschehen und  stehen in der Regel im engen Zusammenhang mit den Kommandierenden und deren Erfahrungen. Für ihr Verständnis ist daher ein umfassender, multidisziplinärer Ansatz erforderlich. Neben der eigentlichen Geländearbeit mit Archäologie, Geologie und physischer Geografie werden z.B. auch volkskundliche, militärhistorische und historisch-biografische Studien durchgeführt. Das Nebeneinander verschiedener Quellengattungen ist Charakteristikum und gleichzeitig Schwierigkeit der Neuzeitarchäologie. Für das Kurpfälzische Museum bedeutet das Projekt einen Ausbau seiner Forschungstätigkeiten auf dem Gebiet dieses relativ jungen Forschungsbereiches.

Literatur:
M. Benner, Ein ungewöhnlicher, genau datierter Fundkomplex – Trinkgeschirr der kaiserlichen Belagerungsarmee vor Heidelberg 1622. Archäologische Nachrichten aus Baden, 58, 1998, S. 39ff. - R. Ludwig/M.Benner/U. Klein, Tilly vor Heidelberg. In P. Wolf/M. Hahn/E. Brockhoff (Hrsg.), Der Winterkönig – Friedrich V., der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz, Augsburg 2003, S. 132ff. - R. Ludwig, Verschüttetes Soldatenleben. AiD 6/2003, S. 60ff. - dies., „Lacrumae Haidelbergensis“ - Die archäologische Überlieferung zur Belagerung 1622. In A. Frese/F. Hepp/R. Ludwig (Hrsg.), Der Winterkönig, Remshalden 2004, S. 55ff.

Das jüngste Forschungsvorhaben umfasst die Aufarbeitung der "Vorgeschichtlichen Siedlung Heidelberg-Handschuhsheim".
Näheres hierzu auch unter dem folgenden Link zur "Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg":
        Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg



 

Grabstein der Accepta

Grabstein der Accepta

Zu den wenigen, noch relativ gut erhaltenen Grabsteinen gehörte diese Stele vom Grab einer Frau.

 

Fotografie von Glasgefäßen

Glasgefäße

Zerbrechliche Glasgefäße wurden den Verstorbenen häufig auf den Weg ins Jenseits mitgegeben.

 

Tilly-Fund

Die große Zahl der aus den Heidelberger Lagern geborgenen Waffen und Alltagsgegenstände ist bislang einmalig.

 

 

Nadel, Messer, Feuerbock und Keramikauswahl aus der Siedlung des 10.Jh.v.Chr.