HomeMuseumSammlungKunstwerk des MonatsKunstwerke des Monats 2017

Kunstwerke des Monats

2017

Die Blaue Grotte, 1835, Aquarell, Gouache; 19,5 x 26,3 cm (Foto: KMH)

Januar 2017

Giuseppe Visone (Neapel um 1800 – um 1851/1870 Paris)

Über den Werdegang des neapolitanischen Landschafts- und Vedutenmalers Giuseppe Visone ist wenig bekannt. Er erhielt seine Ausbildung in seiner Heimatstadt und in Paris und war in beiden Städten mit seinen Werken in den offiziellen Ausstellungen vertreten. Um die Schönheiten der Blauen Grotte zu bewundern und zu malen, musste Visone nicht weit reisen, da die Insel Capri in unmittelbarer Nähe lag.

The Times vom 25. Februar 1817 54,7 cm x 40,2 cm (Foto: KMH)

Februar 2017

„Lord Sidmouth rose and observed...“

„The Times is already printed by steam!“ Diesen Ausruf tat der Zeitungsverleger John Walter II am Abend des 28. November 1814 im Printing House Square in London, nachdem die erste Zeitung auf einer Schnellpresse hergestellt war. Zu verdanken hatte Walter diese technische Neuerung Friedrich Koenig, der sich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts mit der technischen Verbesserung der mechanischen Druckpressen beschäftigte. In Deutschland fand Koenig weder potentielle Geldgeber noch genügend ausgebildete Fachkräfte. Daher ging er 1806 nach London.

Blumenvase, Italien?, 20. Jahrhundert Fayence, blau und weiß glasiert und bemalt, ohne Marke Dm. 18,5 cm, H. 47 cm (Foto: KMH)

März 2017

Ein Erbstück

Eine große Fayencevase im Kurpfälzischen Museum fällt durch ihre ungewöhnliche Form ins Auge. Sie stammt aus dem Nachlass der Heidelbergerin Dr. Inge Frese. Wann und wo die Vorbesitzerin das Stück erworben hat, ist leider nicht bekannt, zumal keine Marke vorhanden ist, die Anhaltspunkte bieten könnte. Zwar dürfte die Vase kaum mehr als 100 Jahre alt sein, doch als Formstück, das älteren Vorbildern folgt, ist sie recht interessant.

Beat Streuli (geb. 1957); New York 2000, 2001, C-Print, 150 x 200 cm, Aufl. 1/3, Inv. Nr. L 788 Leihgabe MLP Wiesloch

April 2017

Beat Streuli

„Fotografie ist eine sehr schwierige Kunst“, schreibt der schwedische Kunsthistoriker Pontus Hultén in Klaus Honnefs inzwischen zum weltweiten Klassiker gewordenen Katalog der Ausstellung „Pantheon der Fotografie“ (1992). Er bringt damit zum Ausdruck, dass Kunst und Fotografie lange Zeit getrennte Wege gingen. Erst Ende der 1960er Jahre setzte sich allgemein die Überzeugung durch, dass die Fotografie durchaus Werke nach eigener Ästhetik hervorbringen kann, fand die Fotografie als vollwertige Kunstform allgemeine Akzeptanz.

Basis einer Neptunstatue, gestiftet vom Erbauer der römischen Neckarbrücke von Heidelberg und die Römerbrücke von Heidelberg in den heutigen Stadtteilen Bergheim und Neuenheim. Gelber Keupersandstein, Gef. 1876/77 im Neckar. Inv. Nr. HD-Neu 1921/926 a Foto KMH (O. Harl), Zeichnung KMH (K. Brenner)

Mai 2017

Die römische Neckarbrücke des Baumeisters Valerius Paternus

Zu allen Zeiten war und ist es Aufgabe einer Brücke, natürliche oder künstlich angelegte Hindernisse zu überbrücken, gleichzeitig stabil und langlebig zu sein und sich außerdem in das Landschaftsbild einzupassen. Bereits der antike Architekt und Ingenieur Vitruv verlangt im späten 1. Jahrhundert n. Chr. für öffentliche Bauten utilitas, fi rmitas und venustas. Auch Andrea Palladio fordert 1570 von Brücken und Straßen zweckmäßigkeit, Dauerhaftigkeit und Schönheit.

Beat Streuli (geb. 1957); New York 2000, 2001, C-Print, 150 x 200 cm, Aufl. 1/3, Inv. Nr. L 788 Leihgabe MLP Wiesloch

Juni 2017

Spott und Hohn: Der Papst im Vexierbild

Sichtlich erschüttert schreibt der streitbare Jesuit Jakob Gretser (1562-1625) in seiner im Jahre 1600 erschienenen Schrift „De Cruce Christi“: „Ich erschrecke, wenn ich an die Bilder denke, die ich gesehen habe und ich schäme mich, dass unsere Zeiten mit solchen schandbaren Erfindungen verunehrt worden sind. Indem ich dies schreibe, habe ich in der Hand und betrachte eine silberne Münze, die im Jahre 1543 in des Satans Werkstätte, wie ich annehmen muß, geprägt worden ist. Sie stellt auf der einen Seite einen Kardinal dar und wenn man den Kopf umkehrt, wird …. daraus … ein Narr mit der Umschrift: des Papstes Gebot ist wider Gott.“

Inge Hueber (geb. 1943), Patchworkquilt Seascape, 2015, selbstgefärbte Baumwolle, Seminole-Technik (Variation), 130 x 200 cm (Foto: KMH)

Juli 2017

Patchworkquilt Seascape

In der Kunst des 20. Jahrhunderts spielen Abstraktion und Innovation eine immense Rolle. Dies betrifft auch die Gattung Kunsthandwerk, die vielleicht noch mehr Möglichkeiten als andere Gattungen zum Experimentieren mit neuen Materialien und Techniken bietet. In ihren Anfängen sehr volkstümlich und traditionell, durchliefen und durchlaufen auch Patchworkquilts diese Strömungen. Längst haben sie sich von dem reinen Gebrauchsgegenstand einer dekorativen Decke losgelöst, um als (Kunst)Objekt für die Wand das Auge zu erfreuen.

Mahagoniholz, massiv und als Furnier; Buche massiv, Stahlfedern und Rosshaar als Polstermaterial (Foto: KMH)

August 2017

Der rote Salon

Das Salonensemble, aus dem einige besondere Stücke im KMH ausgestellt sind, besteht aus einem ovalen Tisch, zwei Armlehn-Sesseln, sechs Polsterstühlen, zwei aufklappbaren Spieltischen, einem Vertiko sowie einem
ausladenden Sofa. In dieser Zusammenstellung repräsentiert es eine Raumeinrichtung, die ca. 1850 entstand und auch als II. Rokoko definiert wird.

Porträt Michel Simon, 1968, 65 x 49,7 cm (Foto: KMH)

September 2017

Margarethe Krieger

„Die Farbe lenkt zu sehr ab“, lautete Margarethe Kriegers Antwort in Bezug auf ihre Zeichenkunst. Denn die Heidelberger Künstlerin bevorzugte das Arbeiten mit schwarzer Tusche. Jener universellen Technik, die seit rund drei Jahrtausenden ihren Platz in der Kunst behauptet. Als ihr ursprünglichstes Werkzeug gilt die Rohrfeder, ein beschnittenes Schilfrohr, das auch Margarethe Krieger neben dem Pinsel favorisierte.

Migof Waldtier, Farbradierung, 1980, 37,7 x 24,8 cm (Plattenformat) auf Bütten (Foto: KMH)

Oktober 2017

Bernhard Schultze

Aus „…unvorstellbaren Fassaden mit Wolken und Winden, errichtet mit diesen Händen ...“ lockt Bernhard Schultze seine Migofs aufs Papier. Das Thema „Natur“ durchzieht konsequent nahezu all seine Schaffensperioden, niemals reproduzierend, sondern stets im schöpferischen Sinn. Vegetative Bildelemente wuchern analog pflanzlichen Wachstumsprozessen, frei und doch nach inneren Gesetzmäßigkeiten, unter dem „Diktat des Unbewußten“ (André Breton) über die Papier- und Leinwandflächen.

Gesichtsmaske vom Heiligenberg, Michaelskloster (Cellarium). Roter Sandstein, spätes Mittelalter, 11./ 12. Jahrhundert, 18,5x22,5x18 cm (Foto: KMH)

November 2017

Der bannende Blick

Der sagenumwobene Heiligenberg bei Heidelberg ist Fundort eines Steinkopfes, der mit seinem starren Gesichtsausdruck den Betrachter noch heute in seinen Bann zieht. Die mittelalterliche Bauskulptur ist ein Altfund, der 1933 bei Ausgrabungen im Kreuzgang des Gipfelklosters St. Michael geborgen wurde und anschließend in das Kurpfälzische Museum gelangte. Bildhauerarbeiten dieser Art sind in Ausstellungen eher selten zu finden, weshalb sich eine genaue Darstellung des Kunstwerkes lohnt.

Kampf der Lapithen und Kentauren, bezeichnet links unten: Wilhelm Trübner / München 1877 Öl auf Leinwand, 94 x 79 cm (Foto: KMH)

Dezember 2017

Wilhelm Trübner

In der Zeit zwischen etwa 1877 und 1889 widmete sich Wilhelm Trübner verstärkt Themen, die er selbst unter dem Begriff des „Begebenheitlichen“ zusammenfasste. Damit meinte er Darstellungen, die im weitesten Sinne der Historienmalerei zuzurechnen sind, also Stoffe aus Geschichte, Literatur, Bibel und Mythologie. Auf den ersten Blick stehen Inhalt und erzählerischer Charakter im Vordergrund, wie dies auch für die an den Akademien gepflegte Historienmalerei galt. Von Letzterer unterscheidet sich Trübners künstlerische Auffassung jedoch deutlich: Im Zentrum seines Interesses stehen die malerische Gestaltung und die koloristischen Qualitäten seiner Gemälde, nicht so sehr ihr Inhalt.