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Friedrich Dürrenmatt – Karikaturen

Friedrich Dürrenmatt, Selbstporträt, o. J. (Foto: Centre Dürrenmatt Neuchâtel)
Friedrich Dürrenmatt, Selbstporträt, o. J. (Foto: Centre Dürrenmatt Neuchâtel)

18. Oktober 2020 bis 7. Februar 2021
Dürrenmatts Humor, der nach seiner eigenen Aussage „nie zu unterschätzen“ und „überall wirksam“ war, durchzieht sein schriftliches und bildnerisches Werk wie ein roter Faden. Als stets wachsamer Beobachter und Kritiker lieferten ihm die grotesken Auswüchse der Weltpolitik den Stoff seiner Werke. Eine Woche vor seinem Tod erklärte er in einem Interview: „Das Auseinanderklaffen von dem, wie der Mensch lebt, und wie er eigentlich leben könnte, wird immer komischer. Wir sind im Zeitalter der Groteske und der Karikatur.“

Die Karikatur bildet die größte Themengruppe in seinem grafischen Werk. Dies liegt nicht nur an seiner Vorliebe für diese Gattung, sondern auch an der Schnelligkeit und Spontaneität, die ihm diese Kunstform erlaubte. Dürrenmatts zeichnerisches Talent manifestiert sich in seiner Fähigkeit, einen Charaktertyp mit sparsamen Mitteln präzise zu umreissen.

Der Künstler umgab sich in seinem täglichen Leben gerne mit humoristischen Bildern. Bereits in seiner Studienzeit bemalte er die Wände seiner Mansarde im elterlichen Haus mit Karikaturen aktueller Machthaber und Kriegstreiber. Im gleichen Zeitraum illustrierte er seine Mitschriften der Philosophievorlesungen von Richard Herbertz an der Universität Bern mit humorvollen Zeichnungen, die die Geschichte der Philosophie parodieren.

Ein Blick in sein Wohnhaus in Neuchâtel verdeutlicht noch heute sein Interesse an der Karikatur. Dies bezeugt seine Bibliothek, die unzählige Bücher über Karikaturisten enthält, darunter Tomi Ungerer, Loriot, Paul Flora, Saul Steinberg, unter anderem. Nach 1960 bemalte er die Wände, Decke und Türe seiner Toilette mit grotesken Gestalten, die den Benutzer dieses stillen Örtchens von allen Seiten anzustarren scheinen. Als Gipfel der Komik nannte er diesen Raum„Sixtinische Kapelle“, um dessen Bedeutung mit der des Vatikans und sein Talent als Maler selbstironisch mit dem von Michelangelo zu vergleichen.

Als Zeichner reagierte Dürrenmatt auf aktuelle politische Themen. Die Stellung der Schweiz im Zweiten Weltkrieg versinnbildlichte er durch eine Karikatur mit der Aufschrift „Schweizerknabe“. Sie stellt einen durch das Kreuz auf seiner Kappe als Schweizer gekennzeichneten winzigen Mann von drei Paar riesigen Beinen umzingelt dar. Diese symbolisieren die sich bekriegenden und die Schweiz bedrängenden Nachbarländer.

Viele Karikaturen entstanden als Serie, indem der Künstler in rascher Abfolge ein Bildmotiv in zahlreichen Variationen durchdeklinierte. In einigen Fällen bilden zwei oder mehrere Blätter narrative Folgen. Die Ausstellung umfasst ca. 100 Exponate aus dem Besitz des Centre Dürrenmatt Neuchâtel und aus Privatbesitz.