StartseiteMuseumSammlungNeu in der Sammlung

Neu in der Sammlung

Lotte Reimers, Keramik aus sechs Jahrzehnten

Blick in die von Lotte Reimers übernommene Werksammlung, Foto: KMH

Die Keramikerin Lotte Reimers (*1932 Hamburg) lebt seit Jahrzehnten in Deidesheim an der Weinstraße. Dort arbeitet sie stetig an ihren Keramiken und hütet ihr „tönernes Archiv“, wie die Künstlerin ihre Werksammlung nennt. Daraus hat sie dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg fünfzehn Keramiken aus ihren verschiedenen Schaffensphasen überlassen. So besitzt das Museum nun ein Konvolut von frei aufgebauten Unikaten aus unterschiedlichen Tonen und charakteristischen, von der Künstlerin selbst entwickelten Glasuren, die mit den Gefäßformen eine untrennbare Einheit bilden.
  
  

 
 

Gobelin "Gefäße" (Marianne Rühl / Mannheimer Webschule, 1950er Jahre)

Gobelin "Gefäße", Marianne Rühl/Mannheimer Webschule, 1950er Jahre, Foto: Museum
Gobelin "Gefäße", Marianne Rühl/Mannheimer Webschule, 1950er Jahre, Foto: Museum

Anfang Juni stiftete eine Bürgerin aus Heidelberg-Ziegelhausen der zum Kurpfälzischen Museum gehörenden Textilsammlung Max Berk eine Tapisserie mit der Darstellung zeittypischer Gefäße der 1950er Jahre. Angefertigt wurde die Schlitzwirkerei (auch Gobelin genannt) in der 1937 gegründeten Mannheimer Webschule, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zeitweise in den Räumen der Kunsthalle Mannheim untergebracht war und wegen der Bombardierung in das damalige Kinderheim in Neckargemünd ausgelagert wurde. Sie existierte bis 1964. Die Weberin Marianne Rühl (1921 bis 2009) hatte in der Mannheimer Webschule ihre Ausbildung erfahren und wohl unter dem Eindruck der Stillleben des Italieners Giorgio Morandi und des Engländers Ben Nicholson die künstlerisch und qualitativ bemerkenswerte Tapisserie "Gefäße" angefertigt. Ob auch der Entwurf von ihr stammte oder evtl. von der Grafikerin und Weberin Elfriede Enderlin-Burgdorf, Leiterin der Mannheimer Webschule von 1937 bis 1941 und von 1947 bis 1964, ist nicht geklärt.



"Sonnenuntergang", Coucher de Soleil (Maurice Denis, 1913)

Coucher de Soleil (Maurice Denis, 1913), Foto: KMH/Gattner

Ende des Jahres 2019 erhielt das Kurpfälzische Museum das Gemälde eines der bedeutendsten Symbolisten der Moderne als Schenkung: einen „Sonnenuntergang“ des französischen Malers Maurice Denis aus dem Jahre 1913.
Zwei junge Mädchen stehen in trauter Zweisamkeit am efeubewachsenen Geländer eines Balkons. Hinter ihnen liegt das Meer, von einem in spektakulären Gelb-, Orange- und Rosatönen leuchtenden Abendhimmel in gleißendes Licht getaucht. Das Motiv zeigt den Ausblick aus Denis’ Villa Silencio im bretonischen Perros-Guirec. Nachdem er die Villa 1908 erworben hatte, verbrachte Denis hier regelmäßig den Sommer mit seiner vielköpfigen Familie.
Die Bilder Denis’, der die französische Künstlergruppe „Nabis“ mitbegründete, dienten der Übermittlung von Empfindungen, Ideen und Gedanken. Dabei spielte die Auseinandersetzung mit Gott und der Religion eine zentrale Rolle im Werk des katholisch erzogenen, tiefgläubigen Künstlers. Die ins Übernatürliche gesteigerte Lichtwirkung auf dem Heidelberger Bild verweist auf den geistigen bzw. religiösen Gehalt der Szene. Es geht es um Besinnung als gemeinsames Erlebnis, um meditative Versenkung; zum einen durch den Blick nach innen – symbolisiert durch das Lesen –, zum anderen durch die Kontemplation der Natur und ihrer Schönheit. Dargestellt sind zwei verwandte Seelen im Einklang mit der Natur und damit im Einklang mit Gott.




Heidelbergs Neue Brücke (Ludwig Meidner, 1912)

Zeichnung von Ludwig Meidner "Neue Brücke" (Foto: Gattner)

Im Gegensatz zur beliebten Alten Brücke taucht die 1877 erbaute Neue Brücke (Theodor-Heuss-Brücke) selten als Kunstmotiv auf.

Der Freundeskreis des Kurpfälzischen Museums Heidelberg ermöglichte die Ersteigerung einer Zeichnung der Neuen Brücke von Ludwig Meidner (1884–1966).

Dieser zählt zu den bedeutendsten deutschen Expressionisten. Mit der geradezu apokalyptischen Darstellung der Neuen Brücke erweist er sich als Visionär einer neuen Zeit am Vorabend des Ersten Weltkriegs.

Fünf Ansichten des Schwetzinger Schlossgartens (Carl Kuntz, 1795)

Carl Kuntz, Der Apollotempel, Aquatintaradierung, koloriert, Inv.-Nr. S 10855 (Foto: Gattner)
Kolorierte Aquatintaradierung von Carl Kuntz "Der Apollotempel" (Foto: Gattner)
Carl Kuntz, Die Moschee im „türkischen Garten“, Aquatintaradierung, koloriert, S 10857 (Foto: Gattner)
Kolorierte Aquatintaradierung von Carl Kuntz "Die Moschee im türkischen Garten“ (Foto: Gattner)

Im Heidelberger Kunsthandel konnte 2017 eine Folge von fünf großformatigen kolorierten Aquatintaradierungen aus dem Jahr 1795 erworben werden, die Ansichten des Schwetzinger Schlossparks zeigen. Sie stammen von dem in Mannheim geborenen Maler und Radierer Carl Kuntz (1770–1830). Ihr Erwerb gelang durch die freundliche Unterstützung des Freundeskreises des Museums von der Kurt und Eva Waibel-Stiftung. Eva Waibel war lange Jahre engagiertes Mitglied im Freundeskreis und fühlte sich der Heidelberger Kunstsammlung stets eng verbunden.

Die Blätter zeigen den Apollotempel, den Minervatempel, den Tempel der Waldbotanik, die Moschee und die Ruine einer römischen Wasserleitung im Schwetzinger Schlossgarten. Gewidmet war die Folge dem Kurfürsten Carl Theodor (1724–1799), der Schwetzingen zu seiner Sommerresidenz gemacht hatte. Die Radierungen erfuhren zu ihrer Zeit eine enorme Verbreitung. In der inschriftlichen Bezeichnung der Blätter wird der Architekt Nicolas de Pigage (1723–1796) genannt, der die dargestellten Bauwerke entworfen hatte. Pigage war kurpfälzischer Oberbaudirektor am Hof in Mannheim, Intendant der Gärten und Wasserkünste sowie der bestimmende Architekt unter Carl Theodor.

Die fünf Ansichten des Schwetzinger Schlossparks geben unterschiedliche atmosphärische und jahreszeitliche Stimmungen wieder. An ihrer farbigen Gestaltung waren sicher mehrere Künstler beteiligt. Durch die Kolorierung werden die im druckgraphischen Verfahren vervielfältigten Werke zu Unikaten.

Jäger auf einer Lichtung im Heidelberger Stadtwald (Bernhard Fries, 1841/42)

Das neu erworbene Gemälde von Bernhard Fries (Foto: Gattner)
Das neu erworbene Gemälde von Bernhard Fries (Foto: Gattner)

In dem bemerkenswert naturnah geschilderten Gemälde einer Lichtung im Heidelberger Stadtwald fängt Bernhard Fries eine frühmorgendliche Stimmung mit über dem Neckartal aufsteigenden Nebelschwaden ein. Möglicherweise ist der Auerhahnenkopf südlich von Heidelberg-Schlierbach wiedergegeben. Das helle, silbrige Licht und das Bemühen um eine realistische Naturdarstellung erinnern an die Werke der Vertreter der Schule von Barbizon. Belebt wird die Szenerie durch die Staffagefiguren zweier junger Frauen und eines Jägers, der mit seiner geschulterten Beute und seinen beiden Jagdhunden heimkehrt.

Das Œuvre von Bernhard Fries, dem 19 Jahre jüngeren Bruder des bekannten Heidelberger Romantikers Ernst Fries (1801–1833), zeichnet sich durch besondere Vielgestaltigkeit aus. Der Maler eignete sich im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit verschiedene Stilrichtungen an, was die Zuschreibung von Werken an ihn bisweilen erschwert. Umso wichtiger für die Beurteilung seines Werkes sind signierte Gemälde wie die Landschaft mit Jäger auf einer Lichtung. Sie stammt aus einer badischen Privatsammlung und konnte bei Winterberg Kunst in Heidelberg durch die freundliche Unterstützung des Freundeskreises des Kurpfälzischen Museums erworben werden.