Sebastian Münster (1488-1552), "Calendarium hebraicum", 1527

Gerrit Berckheyde (1638-1698), "Heidelberg von Nordosten", um 1670

Peter Ackermann (1934-2007), "Heidelberg", 1974

Marie Marcks (1922-2014), "Heidelberg", 1960

Sie sind hier: Startseite / Sonderausstellungen

Heidelberg im Porträt

Von Münster bis Gursky

5. Mai bis 1. Juli 2018

Im Zusammenspiel mit dem Heidelberger Kunstverein, der Architekturentwürfe der Moderne präsentiert, zeigt das Kurpfälzische Museum alle wesentlichen Darstellungen Heidelbergs vom ausgehenden Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert.  Eine von Studierenden der Universität getrroffene Auswahl, beginnend mit der Erstansicht Heidelbergs von Sebastian Münster aus dem Jahre 1527, zeigt die großen Städtepanoramen von Matthäus Merian, Friedrich Walpergen und Theodor Verhas und dokumentiert den Wandel der Stadt von der kurpfälzischen Residenz zur Kultur- und Universitätsstadt des 19. Jahrhunderts. Darstellungen aus dem 20. Jahrhundert, u.a. von Marie Marcks, Peter Ackermann und Andreas Gursky reflektieren die neuerlichen Veränderungen der im Zweiten Weltkrieg unzerstörten Stadt.
Im Rahmen der IBA-Zwischenpräsentation 2018

Sebastian Münster, "Heidelberg", aus "Cosmographia", 1550
Warum genau das älteste ‚Portrait‘ Heidelbergs entstand, weiß man nicht. Es stammt von Sebastian Münster, der es in seiner Zeit als Franziskanermönch und Hebräischdozent in Heidelberg schuf. Das Medaillon wurde als Verzierung eines Schaubilds in seiner Untersuchung zum jüdischen Kalender (1527) veröffentlicht, zu der sich aber kein inhaltlicher Zusammenhang herstellen lässt. Auffällig ist, dass der kleine Holzschnitt seitenverkehrt ist – um einen Druckirrtum kann es sich nicht handeln, da die Beschriftung „Heidl‘berg“ korrekt zu lesen ist. Gut zu erkennen sind die beiden Burgen über Heidelberg, die dicht bebaute und von der Heiliggeistkirche beherrschte Stadt und der Neckar mit seiner überdachten Zugbrücke. 1550 publizierte Münster auch die erste großformatige Ansicht der Stadt, die für die folgenden Jahrhunderte vorbildhaft wurde. Sie illustriert das Heidelberg-Kapitel seines Hauptwerks „Cosmographia“, das er in seiner Zeit als Rektor der Universität Basel verfasste.
Heiko Fischer

Gerrit Berckheyde, "Heidelberg von Nordosten", 1670
Mit seiner Darstellung Heidelbergs von Nordosten erschafft Gerrit Adriaenszoon Berckheyde nichts weniger als ein Idealbild der kurfürstlichen Residenzstadt am Neckar. Während im Vordergrund die kurfürstliche Gesellschaft mit ihrem Hundeführer hoch zu Ross zur Jagd aufbricht, erstrahlt die Stadt am Neckar harmonisch im hellrötlichen Morgenlicht. Hinter der wehrhaften Ringmauer erstreckt sich das einheitliche, friedliche Stadtbild, das nur vom Spitzhelm der Heiliggeistkirche überragt wird. Deutlich sticht auch durch die lichttechnische Hervorhebung die Schlossanlage auf dem Jettenbühl hervor. Erklärbar ist die Idealisierung Heidelbergs sicherlich dadurch, dass Gerrit Berckheyde in Begleitung seines Bruders Job gegen 1655 aus Haarlem ins Neckartal gereist war, um in Kurfürst Karl Ludwig einen möglichen neuen Auftraggeber zu finden. Im Endeffekt gelang das Vorhaben dem Brüderpaar zwar tatsächlich durch ein geschicktes Platzieren der eigenen Staffelei entlang des täglichen Jagdritts Karl Ludwigs. Die Anstellung als Hofmaler ließ Berckheyde jedoch rasch wieder fallen aufgrund der rücksichtslos geführten Intrigen am kurfürstlichen Hof.
Félix Streicher

Peter Ackermann, "Heidelberg", 1974
Ein zerstörtes Heidelberg? Was wie ein Horrorszenario anmutet, ist das Markenzeichen des aus Jena stammenden Malers und Grafikers Peter Ackermann. Wiederholt beschäftigte er sich mit Architektur, verfremdete dabei Gebäudeteile und bettete Ruinen in öde Umgebungen ein. So kann hier der Betrachter in Heidelberg nach Überschreiten der Alten Brücke durch eine finstere Altstadt hin zu einem eingestürzten Schloss wandeln.
Dagegen war Peter Ackermann der tatsächliche Anblick Heidelbergs als Professor an der Karlsruher Akademie durchaus vertraut. Seine Verbindung zu Italien wiederum wird in der Landschaft deutlich: Die kargen Hügel in Ockertönen erinnern an eine sommerliche Hügellandschaft, die allerdings ganze Stadtteile verschlingt und die Heiliggeistkirche isoliert. Hoffentlich erfährt Heidelberg niemals dieses Ausmaß an Zerstörung und Reduzierung auf seine Sehenswürdigkeiten!
Alena Tepe

Marie Marcks, "Heidelberg", 1960
Diese auffällige Darstellung verdankt Heidelberg der bekannten Karikaturistin, Grafikerin und Buch-Illustratorin Marie Marcks. Die Abbildung zeichnet sich vor allem durch den reduzierten Zeichenstil in schwarz-weiß mit verschiedenen Grauabstufungen aus.
Hervorgehoben sind unter anderem das Rathaus, die Heiliggeistkirche, die Alte Brücke, der Marstall und das Zeughaus oder auch die Jesuitenkirche. Auch das Kurpfälzische Museum ist akzentuiert. Leben erhält die Darstellung durch viele kleine Details, die den Charme der Grafik ausmachen. Auf dem Neckar fahren Ruderboote, Segelschiffe und ein Touristendampfer mit winkenden Passagieren. Am Neckarufer fertigt ein Maler ein Gemälde der Stadt an und ein Kind läuft an der Hand des Großvaters über eine kleine Mauer. Die Stadt wirkt lebhaft und ist trotz des besonderen Zeichenstils sofort wiederzuerkennen.
Lisa Enkler