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Friedrich Dürrenmatt – Karikaturen / Caricatures

Unten auf dieser Seite: Ausstellungsinterviews und französischer Einführungstext.
Impressionen zum Eröffnungsgespräch finden sich hier.

Friedrich Dürrenmatt, Herkules mit Nashorn, 29.03.1963 (Foto: Centre Dürrenmatt Neuchâtel)

18. Oktober 2020 bis 07. Februar 2021

In Zusammenarbeit mit dem Centre Dürrenmatt Neuchâtel präsentiert das Kurpfälzische Museum Heidelberg eine bislang wenig bekannte Seite des Schweizer Schriftstellers, Dramatikers und Malers.
 
Dürrenmatts Humor, der nach seiner eigenen Aussage „nie zu unterschätzen“ und „überall wirksam“ war, durchzieht sein schriftliches und bildnerisches Werk wie ein roter Faden. Als stets wachsamer Beobachter und Kritiker lieferten ihm die grotesken Auswüchse der Weltpolitik den Stoff seiner Werke. Eine Woche vor seinem Tod erklärte er in einem Interview: „Das Auseinanderklaffen von dem, wie der Mensch lebt, und wie er eigentlich leben könnte, wird immer komischer. Wir sind im Zeitalter der Groteske und der Karikatur.“

Die Karikatur bildet die größte Themengruppe in seinem graphischen Werk. Dies liegt nicht nur an seiner Vorliebe für diese Gattung, sondern auch an der Schnelligkeit und Spontaneität, die ihm diese Kunstform erlaubte. Dürrenmatts zeichnerisches Talent manifestiert sich in seiner Fähigkeit, einen Charaktertyp mit sparsamen Mitteln präzise zu umreissen.

Friedrich Dürrenmatt hinter seinen Bleistiften. Foto: Andrej Reiser © 1986
Friedrich Dürrenmatt hinter seinen Bleistiften. Foto: Andrej Reiser © 1986

Ein Blick in sein Wohnhaus in Neuchâtel verdeutlicht noch heute sein Interesse an der Karikatur. Dies bezeugt seine Bibliothek, die unzählige Bücher über Karikaturisten enthält, darunter Tomi Ungerer, Loriot, Paul Flora, Saul Steinberg.
Nach 1960 bemalte er die Wände, Decke und Türe seiner Toilette mit grotesken Gestalten, die den Benutzer dieses stillen Örtchens von allen Seiten anzustarren scheinen. Als Gipfel der Komik nannte er diesen Raum„Sixtinische Kapelle“, um dessen Bedeutung mit der des Vatikans und sein Talent als Maler selbstironisch mit dem von Michelangelo zu vergleichen. In der Ausstellung lädt der Nachbau dieses "Werkes" zum Schmunzeln ein.

Die Ausstellung umfasst ca. 100 originale Exponate aus dem Besitz des Centre Dürrenmatt Neuchâtel und aus Privatbesitz. Die Ausstellungstexte sind in Deutsch und Französisch verfasst.

Kuratorin der Ausstellung ist Régine Bonnefoit, Professorin an der Universität Neuchâtel. 

Hinweis: Auch das Museum Tomi Ungerer in Straßburg feiert mit der Ausstellung Friedrich Dürrenmatt - Gezeichnete Satire das Jubiläum des Künstlers (bis 31. Oktober 2020).

Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4.50 Euro (im Eintritt ist der Besuch der ständigen Ausstellung enthalten)
freier Eintritt Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre
Inhaber des Museumspasses, Mitglieder der ICOM
Mitglieder des Freundeskreises des Kurpfälzischen Museums
Audioguide inklusiv Im Eintritt enthalten ist ein Audioguide in deutscher Sprache für die Sonderausstellung. Die Audioführung zur ständigen Ausstellung ist in Deutsch, Englisch oder Russisch zu hören.
Führungen Kurzführungen "Kunst am Mittag" mit Museumspädagogin Dr. Ilka Brändle, jeweils 12.15 bis 12.45 Uhr: 
22.Oktober, 04. und 20. November, 04. und 16. Dezember, 13., 21. (mit Angelika Dirscherl) und 26. Januar, 04. Februar Sonntagsführungen mit Ausstellungskuratorin Dr. Régine Bonnefoit, jeweils 15 Uhr:
18.Oktober (Führung in Französisch), 15. November, 06. Dezember, 10. Januar 

Sonntagsführungen mit Josua Walbrodt:
15. November, 13 Uhr (Dürrenmatts Zeichenmaterial); 22. und 29. November, 17. Januar, jeweils 15 Uhr

Familienführung mit Ilka Brändle und Josua Walbrodt:
15. November, 11.00 - 12.30 Uhr

Führungsgebühr 3.- Euro zzgl. Eintritt

Für die Teilnahme an den Führungen ist keine Anmeldung erforderlich. 
Hier gehts zur Programmübersicht (2,4 MB)
Publikation Neuerscheinung "Friedrich Dürrenmatt – Karikaturen / Caricatures" als 150 seitiges Cahier. Die Publikation enthält Beiträge von Régine Bonnefoit, Pierre Bühler, Peter Gasser, Frieder Hepp, Philippe Kaenel und Myriam Minder. Sie ist in Deutsch und Französisch verfasst und enthält Abbildungen in Farbe. Preis im Museumsshop: Euro 16.-
aktuelle Hinweise In der Sonderausstellung können sich maximal 20 Personen gleichzeitig aufhalten. Die Kontaktdaten werden an der Museumskasse erfasst und gemäß der Datenschutzverordnung vertraulich behandelt. Im ganzen Museum ist ein Mundschutz zu tragen und der Personen-Abstand von 1,5 m einzuhalten.
Barrierefreiheit Der Sonderausstellungsbereich ist stufenfrei zugänglich. Großräumige Toiletten sind vorhanden. Weitere Hinweise zur Zugänglichkeit des Museums für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen gibt es hier www.heidelberg.huerdenlos.de.

Die Ausstellungsinterviews von Kulturredakteur Jörg Tröger

Wie kommt das Thema "Friedrich Dürrenmatt" nach Heidelberg? Im Interview mit Bürgermeister Dr. Joachim Gerner erfährt man von den impulsgebenden Plänen der UNESCO Literaturstadt Heidelberg und von der Zusammenarbeit mit dem Centre Dürrenmatt in Neuchâtel. Nicht ohne Stolz blickt Gerner schließlich auf Dürrenmatts Spuren im Schwetzinger Schlosstheater und auf das Gelingen der aktuellen Ausstellung. 

Von Josua Walbrodt, Kurpfälzisches Museum, erfährt man viel Hintergründiges über den Schriftsteller und sein zeichnerisches Werk. Das bebilderte Gespräch führt vom eifrigen Philosophie-Studenten Dürrenmatt über Faust mit Fliege, das Nashorn und die Tigerin bis zur Sixtinischen Kapelle, die man sich garantiert anders vorstellt. 

Texte de l’exposition en français

En collaboration avec le Centre Dürrenmatt Neuchâtel, le Kurpfälzische Museum présente une facette peu connue de l’écrivain, dramaturge et peintre
 
L’humour de Friedrich Dürrenmatt, qu’il convenait, selon ce dernier, de « ne jamais sous-estimer » et qui « joue partout son rôle », traverse toute sa création littéraire et picturale comme un fil conducteur. Les aberrations de la marche du monde fournissaient à cet observateur attentif et critique la matière de son œuvre. Une semaine avant sa mort, l’artiste s’en expliquait encore dans une interview : « Le fossé entre, d’une part, la manière dont l’homme vit et, d’autre part, la manière dont, au fond, il pourrait vivre, devient toujours plus ridicule. Nous vivons à l’ère du grotesque et de la caricature. »

La caricature constitue la plus grande partie de son œuvre graphique. Cela tient non seulement à la prédilection que Dürrenmatt lui témoignait, mais aussi à la rapidité et à la spontanéité que lui permettait cette forme d’art. Étudiant, au temps de la Seconde Guerre mondiale, il couvrait les murs de la mansarde qu’il occupait dans la maison paternelle bernoise de caricatures des dirigeants et des va-t-en-guerre de l’époque. Pendant les cours de philosophie de Richard Herbertz à l’Université de Berne, il remplissait ses cahiers de notes de dessins humoristiques parodiant l’histoire de la philosophie.
 
Aujourd’hui encore, la maison de Dürrenmatt laisse apparaître au premier regard son penchant et son intérêt pour la caricature. En témoigne sa bibliothèque, si riche en ouvrages consacrés à des caricaturistes, tels notamment Tomi Ungerer, Loriot, Paul Flora, ou Saul Steinberg. Après 1960, Dürrenmatt peignait sur les murs, le plafond et la porte du cabinet des figures grotesques qui semblent avoir les yeux rivés sur l’utilisateur des lieux. Comble du comique : il nommait cet endroit « la chapelle Sixtine » pour comparer ironiquement son talent de peintre à celui de Michel-Ange.
 
Dürrenmatt, en tant que dessinateur, réagissait à l’actualité politique. Une caricature portant l’inscription « Petit Suisse, petit Suisse » symbolise la position de la Suisse pendant la Seconde Guerre mondiale. On y voit un minuscule personnage dont la croix sur la calotte indique qu’il est suisse, cerné par trois immenses paires de jambes. Celles-ci représentent les trois pays voisins, engagés dans la guerre et exerçant une pression sur la Suisse.
 
Beaucoup de ses caricatures sont des séries dans lesquelles l’artiste décline un même motif en de nombreuses variations. L’exposition représente une centaine d’œuvres provenant du Centre Dürrenmatt Neuchâtel et de collections particulières.

L’exposition est bilingue (allemand/français). Elle est accompagnée d’une publication également bilingue contenant des contributions de Régine Bonnefoit, Pierre Bühler, Peter Gasser, Philippe Kaenel et Myriam Minder.