Podcast "Museum lauschen": Transkription
Folge 1 Heidelberg – Bilder unserer Stadt
Musik
Sprecher: Museum lauschen, Kunst einfach verstehen und genießen. Ein inklusiver Podcast des Kurpfälzischen Museums Heidelberg, gefördert durch das Programm Offen für der Medien und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Mitten in der Heidelberger Altstadt lädt das Kurpfälzische Museum dazu ein, Kunst und Geschichte zu entdecken.
Zu sehen sind kostbare und seltene Dinge, Gemälde und Skulpturen aus vielen Jahrhunderten, stilvolle Räume mit Möbeln Leuchtern und Porzellan und archäologische Funde von der Steinzeit bis zur Römerzeit. In diesem Podcast spricht die Museumspädagogin Eva Wick mit kunstbegeisterten Gästen aus der Kunstgruppe der Lebenshilfe Heidelberg.
Gemeinsam entdecken sie die Sammlung des Museums. Ihre Lieblingswerke eröffnen persönliche und überraschende Perspektiven. Und immer wieder ist Musik zu hören. Die Geigerin Antonina [00:01:00] Preuss bringt die Kunst zum Klingen.
--- Musik ---
Eva: Hallo, ich bin Eva Wick, Museumspädagogin hier im Kurpfälzischen Museum Heidelberg und ich freue mich heute Stephan, Milena, Mike und Irina zu begrüßen. Herzlich willkommen, schön, dass ihr da seid.
Stephan, Milena, Mike und Irina: Hallo. Danke. Hallo. Hallo.
Eva: Ihr trefft euch ja immer einmal in der Woche, macht selber Kunst. Heute hier im Museum gucken wir uns mal an, was andere Künstlerinnen und Künstler so machen.
Und wir haben uns heute ein Bild ausgesucht, das Heidelberg zeigt. Und deshalb nennen wir unsere heutige Podcast-Folge auch Heidelberg – Bilder unserer Stadt. Wir schauen uns heute das Bild „Ansicht des Heidelberger Schlosses von Osten“ an und es wurde gemalt von Carl Ferdinand Dahl. Was könnt ihr erkennen auf dem Bild? Was seht ihr?
Irina: Einen schmalen kleinen Weg.
Mike: Das Schloss.
Milena: Die Bäume.
Stephan: Den Neckar.
Irina: Die zwei Berge.
Stephan: Die Felsen und die Gräser.
Milena: Der blaue Himmel.
Stephan: Die Altstadt.
Eva: Ja, der Künstler, der führt uns so ein bisschen zum Schloss über den Weg, den du gesehen hast, Irina.
Irina (freut sich): Ja.
Eva: Der holt uns so ein bisschen vorne ab, ne?
Irina: Ja, genau.
Eva: Der geht quasi aus dem Rahmen, kommt der Weg fast raus.
Irina: Ja.
Eva: Und dann gehen wir so in Richtung Schloss. Das Schloss, das kennt ihr, glaube ich, alle, oder? Wart ihr schon mal oben?
Irina: Ja. Ein paar Mal. Auch zum Weihnachtsmarkt, da war ich auch mal da oben, früher.
Eva: Ja was sieht man eigentlich vom Schloss? Oder auch wenn man oben ist.
Stephan: Dass es eine Ruine ist und kein ganzes Schloss mehr.
Eva: Genau, es wurde nämlich zerstört durch viele kriegerische Ereignisse. Und dann war das Schloss eben immer das vorrangige Ziel, was dann eben zerstört werden sollte und die Türme sind kaputt und viele Gebäude auch. Aber das war genau das, was die Künstler damals so gereizt hat, das Schloss auch zu malen Die waren fasziniert davon von diesem Zerfallenen, von den Ruinen.
Stephan: Heidelberg ist eigentlich durch die Kriege verschont geblieben. Also ich finde es schön, dass das Heidelberger Schloss jetzt so aussieht. So ein bisschen wie so ein Märchenschloss. Also finde ich schon, da kommen ja auch viele von weit her das Schloss zu sehen.
Eva: Ja, Märchenschloss passt ganz gut. Das war auch etwas, was die Menschen damals begeistert hat. Märchen und Geschichten und so das Geheimnisvolle, hat sie interessiert. Und den Künstler - was hat ihn eigentlich interessiert?
Mike: Naja, die Umgebung.
Eva: Genau, die Umgebung, die Natur. Die Berge, den heiligen Berg haben wir, den Königsstuhl und er hat auch die Natur ganz unterschiedlich gemalt.
Es gibt Dinge, die sehen wir ganz nah bei uns, also im Vordergrund Büsche, sogar Gräser kann man erkennen und auch rechts ist ein Baum, der uns ganz nah ist und, wenn wir weiter gucken, also wir können ja ganz weit gucken. Er gibt uns einen richtig tollen Blick in die Ferne, in das tolle Tal. Und irgendwo da hinten sieht man vielleicht auch die Pfälzer Berge.
Stephan: Ja, die hat er dunkler gemalt.
Eva: Genau. Und er hat aber auch noch jemanden versteckt. Genau, da ist ein Mensch zu sehen. Was macht er da?
Stephan: Vielleicht genießt den Sonnenaufgang oder Untergang. Das Bild, da ist das Schloss so in der Mitte gerückt. Als wäre es so der Hauptpunkt von dem Bild.
Eva: Was wäre für euch da ein Motiv, was unbedingt dabei sein müsste?
Irina: Ich liebe diese Brücke. Die Brücke ist total toll.
Eva: Meinst du die Alte Brücke?
Irina: Ja, die alte Brücke.
Eva: Mit dem Torbogen und den Figuren.
Irina: Die meine ich, ja.
Eva: Und was würdest du malen davon, Irina?
Irina: Der Torbogen da und die Figur.
Eva: Den Eingang?
Irina: Den Eingang.
Eva: Ich glaube, das ist auch was, was alle fotografieren. Und du Mike?
Mike: Wahrscheinlich den Bahnhof.
Eva: Den Bahnhof würdest du malen? Was findest du da schön am Bahnhof?
Mike: Alles. Die Gleise oder die Eingangshalle? Was würdest du malen?
Mike: Die Eingangshalle.
Eva: Man müsste sich ja dann doch entscheiden. Und Milena, was müsstest du auf dein Heidelberg bilden? Wo gehst du gerne hin, wenn du in Heidelberg bist?
Was ist dein Ort, den du gerne magst?
Milena: Stadt.
Eva: Die Stadt. Würdest du die Hauptstraße hochgehen und die vielleicht mal? Die große Straße? Ja, das ist doch auch eine gute Idee. Da gibt es ja auch tolle Blickwinkel.
Und Stephan?
Stephan: Ich mag gerne die Schlossbeleuchtung. Wenn es dann auch angestrahlt wird abends und dann die Farben.
Und dann viele unten sitzen auf der Neckarwiese und dann halt in den Himmel schauen.
Irina: Oder den große Brunnen. Wo du auf großen Platz stehst.
Eva: Brunnen… Ja, das auch gut. Da könnte man dann Wasser, das Wasser noch dazu malen im Brunnen. Du hast aber vorhin auch erzählt, dass du... Wenn du malst, Heidelberg auch gerne mal veränderst.
Stephan: Ja, das mache ich eher mit meiner Kamera. Ich gucke dann halt nach Orten, lasse dann halt von der alten Brücke die Bögen weg, dass da nur noch ein Bogen ist oder das Tor ist geschlossen. Ich habe Schwetzingen und Heidelberg, die Burgen zusammengemischt, dass es dann eine Burg ist, die es gar nicht gibt.
Eva: Das ist auch spannend.
Stephan: Also mit Fotografien. Oder ich hatte mal Ampelmännchen fotografiert und über die Brücke laufen lassen. Das war dann auch, glaube ich ziemlich beeindruckend für die Leute, die es gesehen haben.
Eva: Das glaube ich. Milena, mit was malst du gerne, wenn du loslegst? Stifte, Pinsel?
Milena: Hauptsächlich mit Stiften.
Eva: Mit Farbstiften?
Manche von euch kennen das auch schon.
Irina: Also Farbpulver.
Eva: Genau, Farbpulver. Hier im großen Glas, passenderweise passt das ganz gut zu unserem Bild, auf dem ja viel Grün verwendet wurde, was die Natur gemalt wurde.
Kann ich damit jetzt einfach malen mit dem Pulver?
Milena: Nee…
Eva: Nein… Wie? Man braucht noch was. Hast du eine Idee, was?
Irina: Ja, Öl vielleicht.
Eva: Genau, da steht noch ein Fläschchen mit Öl. Und das sind dann nämlich die tollen Künstlerfarben, die Ölfarben. Habt schon mal mit Ölfarben gemalt?
Alle: Nein.
Eva: Das ist, glaube ich, auch richtig schwer. Es dauert richtig lange, bis es trocknet. Und es ist auch ziemlich schwierig, dann die Pinsel sauber zu bekommen. Aber das sind genau die Farben, mit denen auch unser Carl Ferdinand Dahl gemalt hat. Und bei ihm war es eben so, dass er das wirklich erst auch noch alles mischen musste. Also er hat dann viel Platz gebraucht, irgendwie ganz viele kleine Gefäße, zum Beispiel für die rote Farbe, für die grüne, für die braune. Farbe Blau, die spielt nämlich auch eine große Rolle auf unserem Bild.
Mike: … der Himmel.
Eva: Genau, der Himmel.
Irina: Und das Wasser.
Milena: Das da hinten da, da ganz hinten..
Stephan: Berge. Oder was so dunkelblau ist, in der Ferne.
Eva: Genau, und es könnten schon fast die Pfälzer Berge da hinten sein. Die leuchten so ein bisschen blau, ja, so im Schatten. Ansonsten ist da ein ganz schöner Tag.
Stephan: Der musste aber ganz schön viele Farben mischen, um verschiedenen hellen und dunklen Töne zu mischen.
Eva: Mike mit was für Farben malst du gerne?
Mike: Holzstifte, Filzstifte, Wachsstifte.
Eva: Und was für ein Papier hast du dann?
Mike: Die größeren, die kleineren.
Eva: Okay, so A4 oder noch kleiner?
Mike: A4.
Eva: Und Irina?
Irina: Am liebsten die bunten Stifte. Die sind mir am liebsten. Und auch unterschiedliche Blätter.
Eva: Auch unterschiedliche Formate?
Irina: Ja.
Eva: Wie ist es bei euch? Macht ihr um eure Bilder Rahmen? Hängt ihr sie an die Band?
Irina: In die Mappe rein. Ich habe eine Malmappe.
Eva: Die ist wahrscheinlich ziemlich voll, oder?
Irina: Ja, fast.
Stephan: Ich glaube, wir wählen die dann auch manchmal aus für Ausstellungen, dass sie dann auch in Bilderrahmen kommen und nicht in der Mappe, weil in der Mappe sieht es ja kein anderer.
Eva: Ja, das stimmt. Das ist das Tolle bei Ausstellungen. Was zeigt ihr denn für Bilder?
Irina: Einmal ein Ich-Bild von mir und einmal mein Manga-Mädchen, wo das so träumend in den Wald rumspaziert.
Eva: In der Natur?
Irina: Ja, im Wald.
Eva: Das ist auch gar nicht einfach. Das ist super.
Irina: Nicht einfach, die Augen zu malen.
Eva: Toll ja. Die Augen sind da wichtig.
Irina: Das ist schwer.
Eva: Da kann man gar nicht alle rahmen.
Stephan: Also ich male auch gern ganz viel, aber eher mit Acryl. Also auch wie hier, ich glaube, das sind ja auch alle Keilrahmenbilder.
Eva: Genau, die sind auch alle auf einer Leinwand gemalt. Da habe ich euch auch ein Stück mitgebracht. Du kennst das noch gar nicht, Irina.
Du kannst es ja mal einen Mike weitergeben. Wie fühlt es sich an?
Irina: So rau? Find ich so rau …
Mike: Ja, das ist ein bisschen rau…
Eva: Milena, hast du schon mal auf einer Leinwand gemalt?
Milena: Ja, so einen Zäbelzahntiger.
Eva: Wow! Bist du eine Tiermalerin?
Irina: Auch, aber auf anderes.
Eva: Toll. Erinnerst du dich noch an dein letztes Bild, Milena?
Stephan: Heidelberg vom Philosophenweg aus. Ziemlich wie die Altstadt mit Schloss und Brücke. Und dann halt ganz kunterbunter, gerade das Gegenteil. Also so wie das Gemälde.
Eva: Gegenteil von unserem Gemälde? Genau, der guckt quasi von der anderen Seite, aber auch so ein bisschen runter. Also er ist auch erhöht mit dem Blick und guckt dann so aufs Schloss und auf das Tal nach unten.
Und du bist dann von der anderen Seite...
Stephan: …Philosophenweg.
Eva: … vom Philosophenweg ausgekommen. Also, Stephan, du würdest du das Bild viel bunter malen. Irina, würdest du irgendwas verändern wollen auf dem Bild? Wenn du dürftest, wir dürfen natürlich nicht drüber malen. Oder findest du es so gut einfach, wie es ist?
Irina: Ich finde es so gut, wie es ist.
Eva: Mike, wie gefällt dir das Bild?
Mike: Auch gut.
Eva: Und würdest du was da ändern dran?
Mike: Nein.
Eva: Findest du alles gut so, wie es ist?
Stephan: Ich könnte mir vorstellen, dass da unten auf der Wiese noch so ein paar Kinder oder Kühe rumlaufen. Irgendwie ist es viel heller als der Vordergrund. Das stimmt, ja. Und Milena, wie sieht es bei dir aus?
Milena: Ich hätte vielleicht noch von Vögeln die Luft gemalt.
Eva: Vielen Dank für eure Blicke auf das Bild. Ich sehe es jetzt auch mit ganz anderen Augen. Schön, dass ihr da wart. Vielen Dank, Irina, Milena, Mike und Stephan.
--- Musik ---
Eva: Hallo ihr Zwei, ich bin Eva Wick, Museumspädagogin hier im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Ich freue mich, heute euch an meiner Seite zu haben, nämlich Adelina und Nils.
Adelina: Hallo Eva.
Nils: Hallo Eva.
Eva: Hallo, schön, dass ihr da seid. Heute gucken wir uns ein Bild an von einem Künstler, der bei uns hier im Museum ausgestellt ist.
Ein Bild von Wilhelm Trübner, der übrigens auch Heidelberger war. Er wurde hier in Heidelberg geboren und sein Bild heißt „Blick auf das Heidelberger Schloss von Osten“. Schaut es euch mal an. Was seht ihr?
Nils: Ich sehe, dass der wahrscheinlich das so gegen Abend gemalt hat, wegen dem schönen Sonnenuntergang, mit den Farben und so.
Eva: Ja, also die Lichtstimmung ist ganz besonders auf dem Bild. Die Sonne geht unter und der Himmel hat sich verfärbt. Da gibt es rote Flecken und links ist die Sonne wohl gerade untergegangen. Da ist auch ziemlich viel Rot zu sehen. Und etwas, was ihm noch wichtig war, das Heidelberger Schloss. Eigentlich fast genauso, wie wir es heute kennen.
Wart ihr schon mal oben auf dem Schloss? Was denkt ihr, was war dem Künstler wichtig beim Malen?
Niks: Dass man es erkennt.
Eva: Man kann es gut erkennen, genau. Obwohl er eigentlich ziemlich ungenau gemalt hat, der Wilhelm Trübner. Er hat nämlich etwas gemacht, was in dieser Zeit ziemlich neu war. Er hat nämlich den Pinsel ganz schnell benutzt.
Wenn man ein bisschen näher am Bild ist, kann man das sogar sehen, wie er den Pinsel benutzt hat.
Adelina: Striche so gemacht. Genau. Striche gemalt.
Eva: Also wenn wir jetzt angucken, was er um das Schloss gemalt hat, können wir alle gleich erkennen, die Landschaft die Natur hat er gemalt. Dabei hat er jetzt aber nicht jedes einzelne Blatt ganz genau gemalt.
Also er saß nicht da und hat einen ganz dünnen feinen Pinsel benutzt, wie die Künstler es vorher gemacht haben, sondern er hat eben einen ganz schnellen Pinselstrich verwendet. Macht ihr das manchmal auch beim Malen?
Adelina: Ja, ich mache das auch, ich mag neue Aufgaben.
Eva: Bist du manchmal auch so schnell da? Mit dem Pinsel gleich?
Adelina: Ja.
Eva: Malst du am liebsten mit dem Pinsel oder mit was malst du gerne? Mal mit dem Pinsel gerne. Mit Acrylfarben?
Adelina: Ja.
Eva: Und bei dir, Nils?
Nils: Ja, auch mit Acryl. Auch mit dem Pinsel?
Nila: Nein, eher mit dem Stift.
Eva: Stift, okay.
Nils: Ein Kuli, Bleistift manchmal auch.
Eva: Also verschiedene Farben auf einem Bild dann. Und wenn ihr dann malt, malt ihr dann ganz genau? Oder schon auch mal eher so zack zack?
Adelina: Nee, bei mir ist das anders. Du malst nicht so genau, ja? Ja. Und bei dir Nils?
Nils: Aber ich glaube, er hat versucht, den Moment einzufangen auf dem Bild.
Eva: Er war nämlich einer der Künstler, die das Licht in dem Moment eingefangen haben und das hängt damit zusammen, dass er nämlich draußen war zu malen.
Und das war jetzt das Neue bei ihm. Die Künstler vorher, die saßen irgendwo in ihrem Zimmerchen, in ihrer Werkstatt und haben sich mehr oder weniger ausgedacht, was sie malen. Und Wilhelm Trübner, der ist jetzt wirklich rausgegangen. Das heißt, er saß irgendwo hier und hat das Schloss so gesehen, wie wir es jetzt sehen.
Und eben auch den Moment mit dem Licht, den hat er auch so eingefangen. Deshalb nennt man die Maler auch die Lichtmaler oder Lichtmalerinnen.
Nils: Ja, wegen des Wetters… Das Wetter bewegt sich auch, wenn man sonst versucht, sich nicht zu bewegen. Und das Wetter tut sich weiterbewegen, das lässt sich nicht stoppen.
Eva: Und gerade so ein Moment wie der Sonnenuntergang. Ihr habt euch vielleicht auch schon mal den Sonnenuntergang irgendwo angesehen.
Adelina: Ja und der geht schneller runter. Und der verändert sich dann einfach ganz schnell von Minute oder manchmal sogar von Sekunde zu Sekunde.
Nils: Und er hat wahrscheinlich bis zum perfekten Moment gewartet, um den dann so zu machen, dass es dann perfekt ist, wo er halt schön ist.
Weil auch das ist ja manchmal so ein bisschen schwierig, den perfekten Moment zu finden.
Eva: Das war nämlich auch ganz wichtig für unseren Wilhelm Trübner.
Nils: Ölfarbe.
Eva: Ja, da ist Ölfarbe drin. Aber das Spannende ist eigentlich das Drumherum.
Adelina: Das ist in einer Tube.
Eva: Die Tube war wichtig für Wilhelm Trübner und alle diese Künstler der Zeit, weil auch die Tube musste, irgendwann erfunden werden.
Und die Tube hat es möglich gemacht, dass er rausgehen konnte und draußen malen konnte.
Nils: Ja durch die Tuben hat es den Leuten erleichtert, dann zu malen, weil da mussten die das ganze Zeug rumtragen und im Wagen rumfahren und sich die Möglichkeit suchen, das irgendwie dann irgendwie dahin zu bekommen, um dann zu malen, sondern die konnten das einfach in eine Tasche packen und dann, wenn die da waren, direkt anfangen zu malen.
Eva: Genau, so war es.
Nils: Da spielt ja Zeit auch eine wichtige Rolle.
Eva: Klar. Und Künstlerinnen und Künstler leben immer in der Zeit in der sie sind, so wie ihr jetzt. Vielleicht hängen eure Bilder ja in 100 Jahren auch hier bei uns im Museum. Wer weiß... Das Spannende ist auch immer, dass viele etwas Neues machen wollten.
Also Wilhelm Trübner wollte eben auch anders malen als die Künstler und Künstlerinnen vorher. Also eben nicht mehr so detailliert, ganz genau, sondern hat eben diese schnelle Malweise benutzt.
Was denkt ihr, wie hat das Bild den Menschen damals gefallen oder diese Art zu malen?
Nils: Also ihm wahrscheinlich hat es gutgetan, draußen zu malen und das mal auf andere Weise. Und hat einfach mal die Natur mit eingefangen, wie sie so ist und nicht alltäglich und das Wetter und die Wolken, dass sie sich bewegen, dass sie hier schweben oder so. Einfach so den Tag so eingefangen.
Eva: Ja…
Nils: Aber der hat halt den Moment quasi im Bild, den Moment gezeigt, wo er sie gemalt hat. Und dass es da so einen schönen Sonnenuntergang gab und alles friedlich war.
Eva: Das stimmt. Auf dem Bild sieht alles ganz friedlich harmonisch aus. Moment, Adelina, was denkst du, hat es den Leuten damals gefallen?
Adelina: Nein natürlich nicht. Es war für die Leute überraschend gewesen, etwas anderes zu sehen und ich habe es nicht so gut gefunden.
Eva: Die haben sogar zu ihm gesagt, was soll das, du kannst ja gar nicht malen du malst hier mit den schnellen groben Pinselstrichen. Weil sie die andere Malweise gewohnt waren. Und heutzutage ist es tatsächlich so, dass diese Kunstrichtung der Impressionisten und Impressionistinnen die beliebteste oder eine Richtung ist, die vielen Menschen gefällt. Wie gefällt euch das Bild?
Adelina: Mir gefällt das Bild super. Bild, was man neu sieht, ist auch mal interessant.
Nils: Ich finde es schön, dass es schon leer ist. Im Gegensatz zu heute, wenn man in der Zukunft und weiß, wie das Bild heutzutage aussieht ist es schön, dass es da schon leer ist.
Eva: Ja, heutzutage wird man da viel mehr Häuser sehen, viel weniger Natur.
Nils: Eine Brücke.
Eva: Genau, noch ein Bauwerk. Und die Brücke das ist die Friedrichsbrücke oder vorher, zur Zeit von Wilhelm Trübner, hieß sie Neue Brücke, nämlich die Alte Brücke…
Nils: Ja, die sieht man nicht, weil die unterhalb am Schloss ist.
Eva: Genau, der Blickwinkel passt einfach nicht, sondern es ist eben die nächste Brücke, also die jetzt heutzutage Theodor-Heuss-Brücke heißt. Aber die war ihm wohl irgendwie doch auch wichtig, also dass er die Landschaft nicht verändert, sondern er sie wirklich so gemalt hat, wie er sie gesehen hat.
Nils: Obwohl es im Hintergrund dennoch ein bisschen was von Heidelberg zeigt, finde ich.
Eva: Sogar die Römer haben schon diese Verbindungsbrücke gebaut, an einer anderen Stelle, aber für Heidelberg war und ist der Neckar schon immer ganz wichtig. Und das kann man hier auch ganz gut sehen auf dem Bild. Er ist ja fast sogar in der Mitte, der Neckar.
Das Schloss selber ist ja eher so ein bisschen auf die rechte Seite gerückt, also gar nicht unbedingt so im Mittelpunkt. Was denkt ihr denn, was war dem Künstler am wichtigsten zu zeigen auf dem Bild?
Nils: Ich schätze mal die Natur, so wie sie ist. Halt hinterm Schloss also dort dann vor dem Schloss. Und natürlich dann das Wetter, also wie es ist, der Neckar, wie er fließt, das ist ja auch manchmal, ja, und dann die Brücke, die sieht man nur klein.
Die Stadt sieht man jetzt nicht von Hallenberg, das ist auch eher unwichtig. Aber so an sich, die Rückseite vom Schloss wollte wahrscheinlich auch mal, dass man die sieht, sonst sieht man immer nur die andere Seite.
Eva: Das stimmt. Oft sieht man nur die Seite von der Stadt aus. Ich glaube, die meisten, die Heidelberg besuchen sehen es auch nur von der anderen Seite, von der Stadt aus.
Nils: Er wollte wahrscheinlich noch ein bisschen Natur draufhaben, weil sonst sieht man immer, guckt man auch zum Schloss und es ein Schloss, das Mauerwerk. Und so hat er jetzt das Schloss die Natur und noch den Himmel drauf.
Eva: Ich habe euch noch was mitgebracht hier. Es gibt einen tollen Farbenschatz, der hier bei uns im Museum gesammelt und gemacht wurde.
Um welche Farbe geht es? Ihr seht es gleich.
Adelina: Verschiedene Grüntöne und so.
Eva: Und diese Grüntöne passen natürlich ganz toll zu unserem Bild hier von Wilhelm Trübner, weil die grüne Farbe einfach die ist, die er am meisten verwendet hat auch auf dem Bild, weil es ihm eben um die Natur ging. Und bei diesen Farbkarten hier sieht man auch ganz toll die Mischung.
Adelina: Er hat verschiedene Mischungen so ausprobiert, wie es ihm besser gefällt.
Eva: Guckt mal, bei der kann man fast erkennen, welche Farbe ist hier am meisten dabei. Oder aus welchen Farben mischt man denn Grün? Wisst ihr das?
Nils: Eigentlich Gelb.
Eva: Hier sieht man ganz viel Gelb im Grün. Und hier sieht man die zweite Farbe, die viel drin ist.
Adelina: Blau.
Eva: Nämlich Blau. Und dann kann man natürlich die Grün noch verändern. Und das Spannende ist, dass alle Grüntöne, die ich hier habe, auch auf Wilhelm Trübners Bild zu finden sind. Grün kann so unterschiedlich sein und Wilhelm Trübner hat es eben tatsächlich geschafft, diese verschiedensten grünen Töne mit auf sein Bild zu kriegen.
Nils: Gelb kriegt man eigentlich nur hin, wenn es Herbst ist. Weil die Blätter im Sommer meistens grün sind, und gegen Herbst werden sie dann gelb.
Adelina: Ich mache auch so mal draußen, so male ich auf, aber halt mit Bleistift und auch noch mit Heft dazu.
Eva: Bist du dann in der Stadt unterwegs oder in der Natur?
Adelina: In der Natur.
Eva: Toll.
Adelina: Je nach was mir gefällt da zeichne ich halt dann ab und dann mache ich das dann zu Hause, dann auf die Leinwand zu zeichnen, also mit Acrylfarbe malen.
Eva: Ist dein Heft dann so eine Ideensammlung für dich? Und hast du sie mal dabei?
Adelina: Heute nicht.
Eva: Aber sonst?
Adelina: Sonst habe ich immer mein Heft dabei.
Eva: Und Nils, was machst du? Was malst du gerne?
Nils: Ich male gerne so kleine Wesen oder Kreaturen, die dann sich bei so Bildern manchmal Fenster bewegen oder im Wald oder so, dass man dann ein bisschen genauer aufs Bild gucken muss noch, um was zu entdecken, was man vielleicht nicht zuerst gesehen hat von weiter weg.
Eva: Könnte man die auch hier gut verstecken, deine Kreaturen auf dem Bild?
Nils: Bestimmt. Also zumindest auf dem Neckar könnte man was machen, wo man dann etwas näher dran gehen müsste, weil man es von Weitem jetzt nicht sieht zum Beispiel.
Eva: Ja, das ist ja auch immer toll bei Bildern, dass man dann nochmal beim Angucken und auch hier bei uns im Museum einfach, wenn man davorsteht, nochmal mehr entdecken kann.
Nils: Mir kam jetzt gerade die Idee, ich würde wahrscheinlich das Bild halbieren und dann die eine Seite machen wir heute, wie es heute ist und die andere so lassen wie es früher ist, dass man den Vergleich sieht.
Eva: Das finde ich eine gute Idee.
Nils: Ja, dann kann man sehen, wie es früher ist und wie es heute ist.
Eva: Unsere Folge heißt ja heute „Heidelberg, Bilder unserer Stadt“. Was wäre denn auf einem Bild von Heidelberg für dich ganz wichtig, Adelina? Was würde man da sehen?
Adelina: Nur das Schloss, aber auf ein bisschen, als Landschaft auch ein bisschen.
Eva: Und Nils was müsste auf dein Heidelberg-Bild?
Nils: Geht um das Heidelberg der Vergangenheit oder die Zukunft?
Eva: Du bist der Künstler, du entscheidest.
Nils: Ich finde die Altstadt sollte auch drauf, weil die gehört ja zu Heidelberg dazu. Und ja, Natur, aber es kann auch die Bahnstadt dazukommen. Also ich finde die auch schön, dass man so auf einem Bild dann alles so ein bisschen zeigt, wie also von der Vergangenheit bis zum heutigen Hier und Jetzt, mit allem, was dazugekommen ist und wie groß Heidelberg geworden ist.
Was man sich wahrscheinlich damals noch gar nicht gedacht hat, dass das jetzt eine riesige Stadt geworden ist.
Eva: Ja, das glaube ich auch. Das konnte sich damals niemand vorstellen.
Nils: Wobei die ja die Grundsteine dafür gelegt haben.
Eva: Klar, also die Altstadt, die wir jetzt hier nicht sehen, die hat sich im Prinzip gar nicht groß verändert. Nur die Stadtteile drumherum sind dazu gekommen. Dann bräuchtest du aber wahrscheinlich ein ziemlich großes Papier oder eine ziemlich große Leinwand, um das alles drauf zu kriegen.
Nils: Ja oder man nimmt einfach so eine riesige Wand im Gebäude und fängt an zu malen und malt die einfach komplett voll. Man kann in jede Richtung malen und es hält einfach keiner einen auf.
Eva: Seid ihr gerne in der Stadt unterwegs?
Adelina: Ja, ich schon, weil ich liebe es mal was Neues zu erkundschaften, auch mal neue Gegenden in der Hauptstraße. Dann sieht man das selten. Man kommt gerne dorthin.
Nils: Die Stadtbücherei, da gibt es immer so viele Sachen drin, so Bücher, Filme und alles Mögliche. Die wird ja auch von allen besucht immer.
Jetzt ist was Neues Gewordenes in der Bahnstadt, der Katzentempel, der auch immer gut besucht ist. Und man kann Katzen streicheln oder so, die da rumlaufen. Und ich finde „Körperwelten“ auch interessant, es zeigt halt die Anatomie des Menschen. Das ist halt sehr gut, wenn man es weiß.
Eva: Kannst bald Stadtführungen machen, mit deinem Wissen.
Nils: Das ist halt interessant. Die Anatomie des Menschen, sollte man halt mehr machen.
Eva: Ja, das ist auch ein wichtiges Feld. Und es ist ja auch das Schöne in Heidelberg, dass es so viele verschiedene Museen gibt. Bei uns gibt es eben mehr Kunst zu sehen… Ja, dann bedanke ich mich ganz herzlich bei euch.
Schön, dass ihr da wart.
Adelina: Tschüss, Eva.
Nils: Tschüss, Eva.
Sprecher: Die Fotos zum Podcast kann man sich übrigens auf der Website des Museums anschauen. Den Link dazu gibt es im Begleittext. Hier geht das hörbare Museumserlebnis nun weiter. Den Podcast „Museum lauschen“ gibt es in vier Folgen. Viel Spaß beim Reinhören ins Kurpfälzische Museum.