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Friedrich Hölderlin und Heidelberg

Kabinettausstellung „Lange lieb ich dich schon …“

16. September bis 6. Dezember 2020
Leben und Werk Friedrich Hölderlins (1770 - 1843) sind nicht nur mit dem Land Baden-Württemberg, sondern auch mit der Neckarstadt Heidelberg eng verbunden. Ausgehend von seiner berühmten „Ode an Heidelberg“ ist seine Wirkung auf die Stadt - als Namensgeber für ein Gymnasium in der Altstadt und ein Denkmal am Philosophenweg, nicht zuletzt aber als Forschungsgegenstand Heidelberger Wissenschaft – auf vielfältige Weise spürbar.
In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Heidelberg und dem Germanistischen Seminar der Universität verdeutlicht das Kurpfälzische Museum deshalb in einer Kabinettausstellung diese Wirkungsgeschichte. Kern der Ausstellung ist das bis heute vollkommenste lyrische Werk, das Heidelberg beschreibt, Friedrich Hölderlins berühmte Heidelberg-Ode. Erstmals ist die gesamte Handschrift des Oden-Entwurfes vereint. Weitere Sammlungsstücke des Kurpfälzischen Museums ergänzen diese literarische Kostbarkeit, so ein Exemplar des Erstdrucks in der Zeitschrift Aglaia, ein Porträt des Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß, die Pindar-Ausgabe aus dem Besitz der Familie Voß, Arbeiten des Universitätszeichenlehrers Friedrich Rottmann und Aquarelle seines Sohnes Carl, der in den 1830er Jahren Griechenland für die Landschaftsmalerei entdeckte.

Den Erstdruck der Heidelberg-Ode  entdecken Sie über diesen Link zu Aglaia, Jahrbuch für Frauenzimmer auf 1801 (1,1 MB).

Eines der berühmtesten Werke Friedrich Hölderlins ist die Ode an Heidelberg. Detail der originalen Handschrift im Kurpfälzischen Museum. (Foto KMH)
Ausschnitt aus Friedrich Hölderlins originalem Entwurf zur Heidelberg-Ode. (Foto KMH)

Gezeigt im musealen Ambiente des 19. Jahrhunderts und ergänzt durch wertvolle Leihgaben aus Privatbesitz schlägt die Präsentation den Bogen bis in das 20. Jahrhundert. Hier sind es u. a. Friedrich Gundolf, Hilde Domin, Michael Buselmeier und Heidelberger Gelehrte wie Karl Jaspers, Paul Böckmann und Helmut Stierlin, die zur Wirkungsgeschichte Hölderlins gehören.

Vortragsreihe

Die Vorträge in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg entfallen bis voraussichtlich 29. November. Es wird versucht, die Vortragstermine in den Dezember zu verschieben. Voraussichtlich werden dann neue Anmeldungen erforderlich sein. Informationen dazu werden hier veröffentlicht. Zur Vortragsreihe

Kontakt für Anfragen: Sylke Mößner, Museumssekretariat, Telefon 06221 58 34000 (Montag bis Freitag 8 bis 15 Uhr), E-Mail: kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de

Friedrich Hölderlin geht jung und interaktiv in die nächste Runde

Nach dem Finale der Kabinettausstellung soll noch im Dezember die nächste Hölderlin-Generation in die historischen Ausstellungsräume einziehen. "Ins Freie!" heisst das Kunstprojekt, das die Museumspädagogik in Zusammenarbeit mit dem Hölderlin-Gymnasium hoffentlich realisieren wird. Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassenstufen werden mit ihren Ausstellungsstücken zeigen, in welcher Form sie sich mit Friedrich Hölderlin auseinandersetzten. 

Digital geht der Dichter jetzt übrigens auch direkt ins Klassenzimmer. Das Museum Hölderlinturm Tübingen entwickelte ein neues Format, das Friedrich Hölderlins Werke stufengerecht und interaktiv aufbereitet. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Gedicht, das auf seine sprachlichen, klanglichen und poetischen Raffinessen inspiziert wird. Dabei können verschiedene Annäherungen erprobt werden: Es werden Silben gezählt, Wortarten bestimmt, Rechtschreibfehler korrigiert, Handschriften entziffert und Gedichte in Emojis übersetzt. Vom Grundschul- bis ins Erwachsenenalter ist für jeden etwas dabei.

Hier geht es zu den online-Kursen 

Friedrich Hölderlin und Heidelberg aus der Sicht der Kuratoren

Die Kuratoren der Kabinettausstellung sind Frieder Hepp, Hans-Martin Mumm und Roland Reuß. Sie nähern sich Friedrich Hölderlin aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lesen und hören Sie hier ihre Ausführungen.

Ausstellungsinterviews mit Kulturredakteur Jörg Tröger

Wie kann man ein lyrisches Vermächtnis in einer Ausstellung sinnlich darstellen? Museumsdirektor Frieder Hepp findet eine Antwort, indem er den Blick auf die zeitgeschichtlichen Einflüsse und Kunstwerke wendet und erläutert, wie wichtig es ist, eine Sammlung klug und entschlossen aufzubauen und zu bewahren.

Niemand liest und erklärt Friedrich Hölderlins Ode besser als Roland Reuß, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg. Im Interview erläutert er die Vielschichtigkeit der originalen Handschrift und beleuchtet den Weg zur modernen Transkription.

Friedrich Hölderlin und die Heidelberger Literatur

Hans-Martin Mumm, Ausstellungskurator (Foto: Arndt)
Hans-Martin Mumm, Ausstellungskurator (Foto: Arndt)

Für Hans-Martin Mumm manifestiert sich das Wirken Friedrich Hölderlins in Heidelberg bis heute besonders in der Rezeption seiner Werke. "Die Heidelberger Literaturgeschichte ist reich an Bezügen zu Hölderlin", so der Kurator. Der Bogen spannt sich von der „Zeitung für Einsiedler“ (1808) über die Briefe Susette Gontards aus Heidelberger Privatbesitz (1920) bis zur Hommage in Pfälzer Mundart (2020). Der nationalsozialistische Kult um Hölderlin blieb hier merkwürdig blass. Heute wird Hölderlin in Dichtung und Forschung als bedeutendster Lyriker gewürdigt.

Literarischer online-Salon zum Hölderlin Jubiläum 2020

Zum 250. Geburtstag des Dichters präsentieren über zehn Heidelberger Autorinnen und Autoren sowie die Cellistin Dorothea von Albrecht ihre Gedanken und Interpretationen zu Hölderlins Werk. Entstanden ist ein Literarischer online-Salon in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Heidelberg/UNESCO City of Literature zum Internationalen Museumstag 2020, der coronabedingt digital veranstaltet wurde.  

Hier geht es zum "Literarischen Salon zu Friedrich Hölderlin"